"Brüder" - keine Freunde für's Leben!

"Brüder" - keine Freunde für's Leben!

Beitragvon SarahPalmin? » Mi 15. Okt 2008, 10:27

nicht mal für die Ewigkeit

Ein kleiner Beitrag, sich Freunde vom Leib zu halten :-), von falschen Freunden und dem fehlgeschlagenen Versuch als Kirchenmitglied mit wiedergeborenen "Christen" verbunden zu sein.

Meine Situation heute - sozial und finanziell - steht im Zusammenhang mit Entscheidungen und Weichenstellungen von damals, als ich meinen Platz IN der Welt aufgab für Ehe und Familie. Dahinter steckt nichts Mystisches (leider) und ganz gewiß kein höherer Sinn. Allenfalls das Reingefallensein auf christliche Glaubenssysteme.

Freundschaften hatte man keine, sondern verordnete Gemeinschaft. Alles andere wäre verbotene Gemeinschaft gewesen: Nachbarn, Kollegen, Vereine, andere Kirchen...
Freunde, Zugehörigkeit...das alles kenne ich nicht mehr...das ist das, was ich seit grenzüberschreitende Eheschließung in Darbystenkreise (Mitglied der ev. Allianz) am meisten vermißt habe und deswegen seit Jahrzehnten eine große Einsamkeit trotz selbst gegründeter Großfamilie durchlebe.
Mittlerweile habe ich noch ein weiteres Problem, dass nämlich Leute vor meinen Kraft, Biografie und Schicksal zurück weichen, es unheimlich finden, dass sie davor Angst haben und nicht begreifen, wie jemand das so lange mitgemacht hat. Ich bin also für andere nicht mehr kompatibel. (Es wäre allerdings das Letzte, mich dafür rechtfertigen zu müssen!)

Ich war lange genug Zeuge, wie jene Freikirche und Denomination Schuldgefühle in Menschen erzeugte und wie besonders Frauen in die Selbstaufgabe und Selbstaufopferung getrieben wurden. Die vorgelebte Doppelgesichtigkeit 'Wasserprediger versus Weintrinker' war kaum zu überbieten. Nun, dass in den Jahren meiner gebärfähigen Phase (viele Kinder für große Gemeinden) gleichzeitig in den hermetisch über Generationen abgeschiedenen Kleinimperien die Vermögen anwuchsen, Immobilienbesitz angehäuft wurde, Erfolg und Vorstandsetagen nicht gemieden wurden und man zu den Charismatikern auswanderte (Gebete für noch mehr Geld) ist hier nicht das Thema.

Religiöser Mißbrauch kam jüngst noch vor in den Großkirchen (Heimkinderausbeutung im Namen des Herrn).
Religiöser Mißbrauch ist nach meinem Verständnis die Unterdrucksetzung zu Bekehrung und Taufe, die Eindringlichkeit in Zweierbeziehung (Ehe) und wenn man Menschen von ihrer Identität und Herkunft und ihren Freunden abschneidet sowie ihnen die Autonomie zur Selbsthilfe kappt, sie in die Abhängigkeit(von Mann, Gruppe, Jesus-Ideen...) drängt. So geschehen. Insbesondere der Kontakt über den Zaun der geschlossenen Gesellschaft war in keiner Weise erwünscht. Andere Kirchen wurden herabgewürdigt und beschimpft. Vor ev. und kath. Kirche wurde gewarnt.
Um jenes christliche Verständnis (ZEIT "Der liberale Selbstbetrug) ging es nicht.

Für Banken gibt es eine Aufsicht. Das Volk traut sich inzwischen zaghaft aufzumucken und eine Branche zu ächten. Es fordert Konsequenzen und Bestrafung von Managern...Soll man Vorkommnisse in christlichen Gemeinschaften öffentlich machen? Wo Gefahr besteht, dass man instrumentalisiert wird? Gemeinden benennen? Eine bescheidene Reaktion auf Erfahrungsberichte in den Foren der betreffenden Internetglanzauftritten ist das Löschen.

Ein Mann ist bei sich selbst. Eine Frau ist bei ihrem Mann. Das war die ganze Moral und Christlichkeit. Nicht nur kirchlich infizierte Frauen haben diese Übermacht sträflich bis ins Alter erfahren.
Meine Altlasten bin ich bis heute nicht los. Neubeginn heißt auch für mich, allein und aus Kostengründen die Stadt zu verlassen, wo man bisher gelebt hat..z.Zt. ohne Internet, TV, Waschmaschine, TK..Unvorstellbar für die wiedergeborenen Sarah Palins, gewohnt, 3 Trockner gleichzeitig anzuschmeissen oder die übermotorisierten Karossen und rachsüchtig wie ihre heidnischen Schwestern :-(
oder die entlassenden Ehemänner.
Das Alleinsein wirkt sich für ältere Frauen unterschiedlich aus. Wer die bessere Wahl getroffen hat, die kinderlose Berufstätige, die sich ein Auskommen fürs Alter aufbauen konnte nebst Freundeskreisen, Stützen, Kontakten oder die kinderreiche ausrangierte Familienfrau, die nach 25 Jahren Putzarbeit ohne Reisen, Rekreation, Gefangenschaftsdienst und erfüllende Aufgaben in die Röhre guckt, zeigt die Statistik und der Dauerbrenner von Britta Zangen: 50plus und endlich allein.

Meinen Platz im Leben habe ich somit verspielt. Freunde werde ich voraussichtlich keine mehr finden. Bleibt noch, sich eine Genossenschaftswohnung auf Mietbasis zu suchen, wo evtl. auch etwas Nächstenliebe gelebt wird, zumindest aber gegenseitiges Aufeinanderachten. Auf Kirchen sollte man sich nicht verlasen! Auf Entschuldigungen und Entschädigungen zu warten, wäre aufs falsche Pferd gesetzt.
(Eine Meditationsgruppe - möglichst unter einem männlichen Guru und östlicher Predigt zur weiblichen Selbst-Losigkeit, käme heute für mich nicht mehr in Frage!)

Was mir die Legitimation verschafft, dieses Thema hartnäckig im Bewußtsein zu halten: Eines meiner Kinder ist in diesem Zusammenhang (ohne "Vitamiin B" usw.) ganz BESONDERS auf der Strecke geblieben. Getroffen sind sie alle!
SarahPalmin?
 
Beiträge: 6
Registriert: Mi 15. Okt 2008, 10:25

Re: "Brüder" - keine Freunde für's Leben!

Beitragvon Pyrion » Mi 15. Okt 2008, 11:58

Dein Bericht kann einen ganz schön erschüttern...

Aber deinen Folgerungen kann ich nicht zustimmen. Ich weiss, du machst grade eine Menge mit, aber das heisst nicht dass es da draussen keine Freunde mehr für dich gibt. Es sei denn natürlich wenn du dich selber vor allem abschottest und dich in deine Schale verkriechst. Der offensive Umgang mit deiner Vergangenheit (wie hier in deinem Posting) ist schonmal ein prima Anfang. Lass dich nicht hängen!
Benutzeravatar
Pyrion
 
Beiträge: 26
Registriert: Do 3. Apr 2008, 11:31

Re: "Brüder" - keine Freunde für's Leben!

Beitragvon stine » Mi 15. Okt 2008, 12:12

Hallo SarahPalmin?,

erstmal willkommen in der freien Welt!
Ja, es ist schrecklich, ein Leben lang so unterwürfig gelebt haben zu müssen und so ausgebeutet worden zu sein, um am Ende mit nichts dazustehen. Aber das ist nicht nur bei Sektenmitgliedern so. Es gibt weltweit heute noch sehr viele Frauen, die "dem Manne Untertan" zu sein haben und die ihr Leben nicht selbstbestimmt leben dürfen.
Das soll kein Trost sein, aber
SarahPalmin? hat geschrieben:Soll man Vorkommnisse in christlichen Gemeinschaften öffentlich machen? Wo Gefahr besteht, dass man instrumentalisiert wird? Gemeinden benennen?

eine Legitimation zur Anklage!

Ich denke es gibt in Deutschland viele Organisationen, die Solche Frauen in die Arme nehmen. Das Internet dürfte eine gute Quelle für Adressen in dieser Richtung sein.

LG stine
Benutzeravatar
stine
 
Beiträge: 8022
Registriert: Do 27. Sep 2007, 08:47

Re: "Brüder" - keine Freunde für's Leben!

Beitragvon SarahPalmin? » Fr 17. Okt 2008, 13:14

Danke für eure Kommentare (die nicht noch zusätzlich in die Pfanne hauen, wie frau es in christlichen Foren einst erlebt hat bzw. in noch "einschlägigeren Kreisen" der Beitrag gelöscht wird: ERF, Bruederbewegung, Forumbc, Bibelschulen...)

Aber Stine, du irrst! Es geht nicht um "solche" Frauen. Ich bin keine unterwürfige Masochistin. Solche Prozesse sind ebenso schleichend. Sogenannte Sachzwänge, z.B. ein schwerbehindertes Kind, Umzug etc, können ganz schnell die eigene Handlungsfähigkeit aushebeln. Und jenen "Organisationen", sie sich "solcher" Frauen annehmen, möchte ich erst recht nicht über den Weg trauen und gleichzeitig die Kompetenz absprechen.
Zudem sind Strukturen und übermächtige Sozialisationen die vorbestimmenden Realitäten. Wer mit wachen Augen durch die Straßen geht, siehet die Geschichten, welche Frauen mit sich tragen. Und sie sind auseinander dividiert in Mütter, Karrierefrauen usw. Frauensolidarität? Bei Gender-Frauen? Was soll ich da? Meine Rehabilitierung, meine Verbeamtung, meine heile Seele können die mir nicht zurück geben. Wie viele Frauen ohne Religion mit nur 2 Kindern sind in der gleichen Situation! Am Ende geraten dann die Leben aus den Fugen. Ernte? Für viele nichts als später Existenzkampf!

Hätte ich als junge Frau die geschilderte direkte Linie im Evangelikalismus über Kinderreichtum/Frauenausbeutung bis hin zu Armut und Depression im Alter beeindruckt? Hätte ich die Zusammenhänge von Entwertung/Entwurzelung/Isolation vorhergesehen?

Von "solchen" Kollektiven (Freikirchen) kam nichts! Da war nie ein SCHUTZ! Da ist kein RETTER! Dem widersprüchlichen Christenum trau ich schon lange nicht, sondern meiner eigenen Wahr-Nehmung! (Link Hugo Stamm, hugotamm.kaywa.ch, zum Thema persönliche Katastrophen ohne Wende in Variationen: "Wenn der Glaube das Leben verändert" oder auch ein PF-Artikel über christliche Spalterpilze...später...Titelseite http://www.publik-forum.de)

Evangelikalen bleibt dann die Entlastung: Der Mann ist schuldig! Er hätte niemals eine Ungläubige heiraten dürfen! (war Nur-Kirchen-Christin).Dafür kann ich mir leider auch nichts mehr kaufen! Aber der sich in Loyalitätskonflikten befindliche Ehemann hätte noch lange meinen Freispruch erwarten können im Gegensatz zu seinem System, welches von Beginn an sich einmischte und die Beziehung torpedierte. An den Grundfesten nagen. Das zog sich durch bis zum Schluß. Bauschäden bis das Gebäude zusammen brach. Ein paar Leichen und Verletzte unter den TRümmern begrabend.

Wenn eine überforderte "Mischehe" (Maßstäbe mindestens eine halbe Fußballmannschaft Kinder...) nicht funktioniert (egal ob Mann oder Frau sie beendet) ist das "Folge von" und keine Strafe Gottes! "Leider" habe ich mich vollends vom mageischen Weltbild gelöst! :-(
Es ging um Gesetzlichkeit VOR Menschlichkeit, welche das engere, geschlossene System in die Ehe herein zwängte und somit spaltete: "elitäre Auserwählung".

Viele haben in diesem ungeheuer brutalen Christentum, wo der Mensch reduziert wird auf eine zu missionierende Nummer, nicht den Mut, zuzugeben, dass sie daran gescheitert sind!

Dass am ende nichts bleibt (ich war Hausbesitzerin) liegt an jahrzehntelangem Versäumnis von Staat (Politik) vereinigter Männerkirche und Kultur (Mutterschaftsbetrug). Heute muß ich einen DM-Tausender aufbringen für 2 schäbige hellhörige Räume. Kinder haben kein Elternhaus mehr. Sie "hausen" in teuren Löchern und spenden Blut, alle Woche Blutplasma, um durch's Studium zu kommen.
Diese Tatsachen treten ja nun wieder mehr in den Hintergrund. Uns Uschi (C) steht großer Streß ins Haus. Mehr Kinder für die Schuldentilgung der Banker?
Um den Kreis zu schliessen: Evangelikalismus war eine SCHROTT-BANK! (bad b.) in die man eingezahlt hat und nichts zurück bekam! FRAU bleibt auf ihren Verlusten sitzen!
SarahPalmin?
 
Beiträge: 6
Registriert: Mi 15. Okt 2008, 10:25

Re: "Brüder" - keine Freunde für's Leben!

Beitragvon Andreas Müller » Fr 17. Okt 2008, 14:41

Gilt das für Freikirchen allgemein oder gibt es da Unterschiede?
Andreas Müller
 
Beiträge: 2671
Registriert: So 10. Sep 2006, 23:17

Re: "Brüder" - keine Freunde für's Leben!

Beitragvon pariparo » Sa 18. Okt 2008, 18:57

Hm... Herrje... ein Kreuz mit den Religionen. :kotz2: Tja, leider sieht es hinter den frömmelnden Fassaden viel zu oft so aus.
Benutzeravatar
pariparo
 
Beiträge: 171
Registriert: Mi 16. Mai 2007, 11:43
Wohnort: Berlin

Re: "Brüder" - keine Freunde für's Leben!

Beitragvon ganimed » Sa 18. Okt 2008, 23:02

Mir kommt es so vor, als könnten sich solche und ähnliche Geschichten auch in anderen Umfeldern abspielen. Ich meine, ich bin kein Experte, aber es gibt doch sicher zahllose Ehen, die ähnlich verlaufen sind. Also an irgendwelchen äußeren Umständen scheiterten, obwohl sich die beiden Eheleute an sich vielleicht gut verstanden. Ich verstehe die Geschichte hier jetzt so, dass für das Unglück und das Scheitern der Ehe nun diese religiöse Gemeinschaft verantwortlich gemacht wird, ohne dass ich genau verstanden habe, welche das jetzt ist. Ich denke aber, dass dies allgemein sicher kein religionsspezifisches Problem ist. Es gibt in anderen Fällen sicher viele andere Gründe, wieso Ehen nicht halten. Und dass dann anschließend nach einer Scheidung die Ehefrau ziemlich ungünstig dastehn kann, ist sicher auch kein Einzelfall.

Mir käme es deshalb etwas einseitig vor, nun diese Glaubensgemeinschaft für alles verantwortlich machen zu wollen.
Benutzeravatar
ganimed
 
Beiträge: 1687
Registriert: Sa 23. Aug 2008, 22:35

Re: "Brüder" - keine Freunde für's Leben!

Beitragvon SarahPalmin? » So 19. Okt 2008, 10:32

steht deutlich im Text, wie die Denomination heißt: Brüder bzw. Darbysten.
Es gibt unzählige Beispiel dafür, wie Religionsgemeinschaften Ehen torpedieren und spalten. Es gibt unzählige TRAUMATISIERTE, die wahnsinnig Terrorisiert wurden zur Gleichschaltung (oder mehr Kinder in die Welt zu setzen oder was weiß ich nicht was... An meinem Erlebten laß ichnicht rütteln!
SarahPalmin?
 
Beiträge: 6
Registriert: Mi 15. Okt 2008, 10:25


Zurück zu Religion & Spiritualität

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste

cron