laie hat geschrieben:Wer sich so dem Besitzenwollen, dem Haben hingibt, wird von den Dingen, mit denen er sich umgibt, langsam ausgesaugt. Darin liegt in meinen Augen nichts übernatürliches. Das folgt allein schon aus dem Lebenszyklus der Dinge. Wir müssen die Dinge verwalten, ordnen, benutzen, entsorgen, pflegen usw. All das kostet Zeit, Lebenszeit.
Ganz genau so ist es. Darum leben die, die nichts haben eigentlich am Besten.
Leider wissen sie das nicht.
Aber wir werden lernen, jedem den Maßstab der zivilisierten Welt aufs Auge zu drücken. Das sind Absatzmärkte ohne Ende!
Aber im Ernst: Wer nichts hat, vertut seine Lebenszeit damit nach Essbarem zu suchen, sich vor dem Wetter zu schützen und einen Partner an Land zu ziehen und seine Kinder groß zu bekommen, der ganz normale Lebenserhalt anderer Tiere auch. Vielleicht ist Lebenszeit ein TUN. Das Nichtstun kommt noch früh genug. Ich meine die ganze buddhistische Lebensweisheit mit der Ruhe und der Geduld ist ja alles schön und gut, aber sind wir nicht genau deswegen Menschen, weil wir anders leben wollen als die Tiere?
Ist das Vegetieren wirklich unser Hauptziel?
Mir ist nach ein paar Tagen Nichtstun im Urlaub schon langweilig.
Ich habe vor Jahren mal einen Gesprächsfetzen vor dem Supermarkt aufgegriffen, der mir in Erinnerung geblieben ist. Es trafen sich dort zwei ältere Frauen, die sich offensichtlich kannten und gegenseitig von ihren Familien- und Krankheitsgeschichten wussten. Fragte die eine: "Na, wie gehts denn so?" Jammerte die andere: "Ja mei, ma lebt hoit". Ich dachte so im Vorrübereilen: Und? Ist das nun gut oder schlecht und was ist die Alternative?
Das Jammern über ein "schweres" Leben ist ein Jammern über das Empfinden. Aber ohne Empfinden sind wir tot.
Es soll Menschen geben die fühlen sich schlecht am wohlsten, weil es das ist, was sie am besten spüren. Nicht umsonst ist es leichter Menschen zum Weinen, als zum Lachen zu bringen. Unsere Gefühlsnerven scheinen das Leid leichter empfinden zu können, als das Wohlsein.
Wer sich angewöhnt, alles bewusst zu erleben und sich immer wieder vor Augen hält, wie gut das Leben zu ihm ist, der braucht das Leid nicht mehr und wird ganz schnell feststellen, dass er es damit gut fernhalten kann.
Man muss sein Bewusstsein nicht auflösen und mit allem eins werden, jeder muss sich nur vor Augen halten, dass jetzt genau die 0 bis 100 Jahre ablaufen, in denen er selbst gerade lebendiger Teil des Lebens auf der Erde ist.
LG stine