Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon Casti » Mo 11. Feb 2013, 14:44

Hallo,
abgesehen davon, dass ich den Themenbereich "Religion und Spiritualität" in diesem Forum (das Religion ablehnt) deplaziert finde, würde mich interessieren, was Brights unter dem Begriff "Spiritualität" verstehen.
Begrifflich, wie bei Wikipedia nachzusehen, gibt es ja auch eine Spiritualität jenseits von Religiosität, also "eine auf Geistiges aller Art (...) ausgerichtete Haltung".
Kann es daher eine Spiritualität auch bei Brights geben?
Wenn ja, wie sieht diese aus und wie könnte man sie beschreiben (definieren ginge mir hier zu weit)?

Auf spannende Antworten freut sich

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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon Vollbreit » Mo 11. Feb 2013, 15:12

Spiritualität ist als Praxis primär eine Technik (oder spontane Erfahrung), die nichts mit Glauben zu tun haben muss.
Wenn man sich hinkniet oder -legt und seine Atemzüge zählt, muss man an nichts glauben, wenn man beobachtet, was dann in einem passiert, ist das eigentlich egal, ob man Moslem, Buddhist oder Atheist ist. Selbes gilt für andere Übungen.

Bei der Interpretation von evtl. auftretenden spirituellen Erfahrungen, ist es dann wieder ein Frage des Kontextes, der kann religiös sein, muss es aber nicht.

Da für Spiritualität nach meiner Meinung das Erfahrungen Sammeln leitend ist, spielen religiöse Diskussionen eine untergeordnete Rolle.
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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon xander1 » Mo 11. Feb 2013, 16:45

Spiritualität kann z.B. sein in die Natur zu gehen und die zu genießen oder in den Sternenhimmel schauen und die Sterne zählen oder Naturgesetze zu betrachten und darin etwas ästhetisches zu sehen.
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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon Vollbreit » Mo 11. Feb 2013, 17:00

Warum?
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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon stine » Mo 11. Feb 2013, 18:14

Durch einen Wald zu gehen und sich nicht als Spaziergänger, sondern sich selbst ganz intensiv als Teil dieser Natur zu erleben, das ist brighte Spiritualität, wie ich sie verstehe.

LG stine
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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon Vollbreit » Mo 11. Feb 2013, 18:19

In dem Fall würde ich das auch so sehen. Einheitserfahrungen sind typisch für spirituelle Erfahrungen.
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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon Lurch » Mo 11. Feb 2013, 19:42

Falls ich da was zu sagen darf, ist Spiritualität der Sinn für Humor sich völlig bekifft an den Strand zu setzen.
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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon ujmp » Mo 11. Feb 2013, 20:38

Vollbreit hat geschrieben:Einheitserfahrungen sind typisch für spirituelle Erfahrungen.

M.E. spricht man oft voreilig von "Erfahrung", denn es handelt sich eher um aktiv produzierte Vorstellungen, also nicht um etwas, was einem geschieht. Man kann sich ggf. an seinen eigenen Vorstellungen sogar berauschen. Ich glaube nicht, dass man z.B. "Einheit mit der Natur" erfahren kann. Eine solch abstrakte Vorstellung aus der Mengenlehre kann man sich doch höchstens denken. Man will diese Einheit, deshalb denkt man sie!

Das Problematische an dem Begriff "Spiritualität" ist m.E., dass er einen erhabenen mentalen Zustand suggeriert, der sich durch besondere Geistigkeit auszeichnet. Ich kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, in einem nicht-geistigen Zustand zu sein.

Wodurch unterscheidet sich denn mental der Spaziergang durch den Wald von einem Spaziergang durch eine Einkaufspassage? Von Nietzsche stammt der Spruch "Wir lieben die Natur, weil sie keine Meinung über uns hat". Man kann aber auch - wenigstens zeitweise - die Meinung der Menschen ignorieren. Ich kann mich auch mitten im Großstadttrubel in Trance versetzen und so mental gleichsam über den Menschen schweben. Wenn ich dann aber einen Bekannten treffe, sage ich "Hallo, wie geht's" und in meinem Gehirn fahren die sozialen Programme wieder hoch. Je besser seine Meinung über mich ist, um so weniger Stress habe ich dabei. Ich wüste aber nicht zu sagen, welcher Zustand der erhabenere oder geistigere ist.
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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon Vollbreit » Mo 11. Feb 2013, 20:58

ujmp hat geschrieben:
Vollbreit hat geschrieben:Einheitserfahrungen sind typisch für spirituelle Erfahrungen.

M.E. spricht man oft voreilig von "Erfahrung", denn es handelt sich eher um aktiv produzierte Vorstellungen, also nicht um etwas, was einem geschieht.


Wieso meinst Du das?

ujmp hat geschrieben:Man kann sich ggf. an seinen eigenen Vorstellungen sogar berauschen. Ich glaube nicht, dass man z.B. "Einheit mit der Natur" erfahren kann.


Das heißt, dass Du diese Erfahrung noch nicht gemacht hast?
Warum sollte das anderen auch so gehen?

ujmp hat geschrieben:Eine solch abstrakte Vorstellung aus der Mengenlehre kann man sich doch höchstens denken. Man will diese Einheit, deshalb denkt man sie!


Nein, ujmp, genau das ist es nicht.

ujmp hat geschrieben:Das Problematische an dem Begriff "Spiritualität" ist m.E., dass er einen erhabenen mentalen Zustand suggeriert, der sich durch besondere Geistigkeit auszeichnet. Ich kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, in einem nicht-geistigen Zustand zu sein.


Es geht nicht darum sich einen erhabenen mentalen Zustand zu suggieren, sondern unablässig (theoretisch), also so unablässig wie möglich (praktisch) im Moment zu sein.

ujmp hat geschrieben:Wodurch unterscheidet sich denn mental der Spaziergang durch den Wald von einem Spaziergang durch eine Einkaufspassage?


Um Prinzip gar nicht, was in der Natur allerdings öfter vorkommt ist eine spontane Öffnung, durch das Fallenlassen aller Widerstände. Prinzipiell geht das aber auch zwischen Tampons und Senfgurken.

ujmp hat geschrieben:Von Nietzsche stammt der Spruch "Wir lieben die Natur, weil sie keine Meinung über uns hat". Man kann aber auch - wenigstens zeitweise - die Meinung der Menschen ignorieren. Ich kann mich auch mitten im Großstadttrubel in Trance versetzen und so mental gleichsam über den Menschen schweben.


Glückwunsch, ich bin da eher abgelenkt, gute Konzentrationsfähigkeit. Aber wieso meinst Du, es ginge darum (metaphorisch, schon verstanden) über etwas oder jemandem zu schweben?

ujmp hat geschrieben:Wenn ich dann aber einen Bekannten treffe, sage ich "Hallo, wie geht's" und in meinem Gehirn fahren die sozialen Programme wieder hoch. Je besser seine Meinung über mich ist, um so weniger Stress habe ich dabei. Ich wüste aber nicht zu sagen, welcher Zustand der erhabenere oder geistigere ist.


Wenn Du einem Zen-Meister sagst, dass Du in einem ganz erhabenen Zustand bist, lässt er Dich vermutlich eine Woche lang die Klos putzen, um Dich von Deinem Wahn zu befreien.
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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon Zappa » Di 12. Feb 2013, 18:35

Vollbreit hat geschrieben:
ujmp hat geschrieben:
Vollbreit hat geschrieben:Einheitserfahrungen sind typisch für spirituelle Erfahrungen.

M.E. spricht man oft voreilig von "Erfahrung", denn es handelt sich eher um aktiv produzierte Vorstellungen, also nicht um etwas, was einem geschieht.

Wieso meinst Du das?

Vielleicht meint er, dass "Erfahrung" oft der falsche Begriff ist, dass eigentlich etwas subjektiv - und vielleicht suggestibel beeinflusstes - Erlebtes gemeint ist, dass dann aber die Einstellung beeinflusst. Diese "Erfahrungen" können ja von der Marienerscheinung über das Erleben der Gefährlichkeit von Handystrahlen bis hin zur "Erfahrung", dass Homöopathie wirkt, gehen. Das alles spielt sich auf der Vorurteilsebene ab und ist fast vollkommen beliebig.

Zur Urteilsebene gehört u.a., dass ich weiß, dass subjektive Erfahrung beliebig, fehlerhaft und irreführend sein kann, ich Sie mit den Erfahrungen anderer korrelieren muss, Erfahrungsunterschiede kritisch zu reflektieren habe etc. pp. Dann wird daraus ein Urteil und ich ließe den Begriff "Erfahrung" gelten.
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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon ujmp » Di 12. Feb 2013, 21:09

Vollbreit hat geschrieben:
ujmp hat geschrieben:
Vollbreit hat geschrieben:Einheitserfahrungen sind typisch für spirituelle Erfahrungen.

M.E. spricht man oft voreilig von "Erfahrung", denn es handelt sich eher um aktiv produzierte Vorstellungen, also nicht um etwas, was einem geschieht.


Wieso meinst Du das?

Man suggeriert sich selbst etwas, was man gerne wahr haben möchte, z.B. das Gott mit einem redet oder dass man eine läuternder Naturerfahrung hatte. Diese "Erfahrungen" beruhen nicht auf Sinnesdaten, sondern auf Vorsstellungen, die man selbst geschaffen hat.
Vollbreit hat geschrieben:
ujmp hat geschrieben:Das Problematische an dem Begriff "Spiritualität" ist m.E., dass er einen erhabenen mentalen Zustand suggeriert, der sich durch besondere Geistigkeit auszeichnet. Ich kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, in einem nicht-geistigen Zustand zu sein.


Es geht nicht darum sich einen erhabenen mentalen Zustand zu suggieren, sondern unablässig (theoretisch), also so unablässig wie möglich (praktisch) im Moment zu sein.

Das sind nur blumige Wörter. Mir fällt kaum jemand ein, der perfekter "im Moment" lebt, als der gewöhnliche Konsument im Schlussverkauf.
Vollbreit hat geschrieben:
ujmp hat geschrieben:Von Nietzsche stammt der Spruch "Wir lieben die Natur, weil sie keine Meinung über uns hat". Man kann aber auch - wenigstens zeitweise - die Meinung der Menschen ignorieren. Ich kann mich auch mitten im Großstadttrubel in Trance versetzen und so mental gleichsam über den Menschen schweben.

Glückwunsch, ich bin da eher abgelenkt, gute Konzentrationsfähigkeit. Aber wieso meinst Du, es ginge darum (metaphorisch, schon verstanden) über etwas oder jemandem zu schweben?

Trance ist m.E. ein Zustand, den man gut mit "über den Dingen schweben" beschreiben kann. Man betrachtet die Dinge wie ein Adler von oben aus der Distanz. Es geht um Distanz, nicht um Erhabenheit. Dadurch kann man eine große Weite überblicken, muss aber notwendigerweise Details übersehen. Aber das ist gerade der Witz daran. Z.B. können sich Konflikte des Alltags im Gehirn festsetzen, besonders, wenn sie sich nicht lösen lassen und den Menschen regelrecht zwingen, sich damit zu beschäftigen. Da kann es eine hilfreiche Übung sein, sich z.B. mal vorzustellen, wer man als Mensch eigentlich ist, als Teil der Natur oder als Teil des Universums. Man kann so Antworten für den Alltag finden, die einem nicht einfallen, solange der Verstand von Alltagsproblemen okkupiert bleibt. Diese Antworten sind aber keine Orakel und sollten vernünftig beurteilt werden. Und es kann einem dabei auch jede Menge Unfug einfallen.
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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon Vollbreit » Di 12. Feb 2013, 21:40

Zappa hat geschrieben:Vielleicht meint er, dass "Erfahrung" oft der falsche Begriff ist, dass eigentlich etwas subjektiv - und vielleicht suggestibel beeinflusstes - Erlebtes gemeint ist, dass dann aber die Einstellung beeinflusst. Diese "Erfahrungen" können ja von der Marienerscheinung über das Erleben der Gefährlichkeit von Handystrahlen bis hin zur "Erfahrung", dass Homöopathie wirkt, gehen. Das alles spielt sich auf der Vorurteilsebene ab und ist fast vollkommen beliebig.


Bestimmt meint er das.
Das Problem ist nur, dass alle meine Erfahrungen subjektiv sind und ehrlich gesagt, ich glaube, dass das bei Dir und ujmp nicht anders ist.

Aber ich glaube, wer immer wieder Spiritualität mit seinen Vorurteilen über Vorurteile verknüpfen möchte, der könnte selbst unter Vorurteilen leiden... hm?
Nein, undenkbar, wer Vorurteile hat, das weiß man ja schließlich.

Zappa hat geschrieben:Zur Urteilsebene gehört u.a., dass ich weiß, dass subjektive Erfahrung beliebig, fehlerhaft und irreführend sein kann, ich Sie mit den Erfahrungen anderer korrelieren muss, Erfahrungsunterschiede kritisch zu reflektieren habe etc. pp. Dann wird daraus ein Urteil und ich ließe den Begriff "Erfahrung" gelten.


Ken Wilber gibt darauf in „Naturwissenschaft und Religion“ eine gute Antwort. Habe das Buch gerade nicht hier, aber für den Punkt auf den ich hinaus will ein gute Zusammenfassung gefunden:
Carsten's bunte Seiten hat geschrieben:„Kurz, authentische Spiritualität muß auf unmittelbarer spiritueller Erfahrung beruhen, und diese muß streng den drei Strängen aller gültigen Erkenntnis unterworfen werden: Injunktion, Wahrnehmung und Bestätigung/Widerlegung, oder Paradigma, Daten und Falsifizierbarkeit. ...
Nur dann, wenn sich die Religion auf ihr Herz, ihre Seele und ihr Wesen besinnt (nämlich unmittelbare mystische Erfahrungen und transzendentes Bewußtsein, das sich nicht dem Auge des Fleisches enthüllt - dem Bereich der Wissenschaft - und nicht dem Auge des Geistes - dem Bereich der Philosophie -, sondern nur dem Auge der Kontemplation), kann sie der Moderne standhalten und etwas bieten, was diese ja so dringend braucht: eine echte, verifizierbare, wiederholbare Injunktion, die das Spirituelle zum Vorschein bringt.“
http://www.carses.de/html/buch_natwi_und_reli.htm


Dieser Abgleich ist ja längst Praxis. Gerade dort wo es lange Traditionen echter spiritueller Praxis gibt. Nur einen Fehler darf man allerdings auch nicht machen. Sich ohne jede Ahnung in den Diskurs mogeln. Ernsthafte Experimente überhaupt nie durchgeführt zu haben und zu wissen, dass man das auch nie tun wird, sich dann in die Ecke zu setzen und zu pöbeln. Wobei noch schlimmer sind eigentlich die, auch auch mal ein Wochenende irgendwo mitgemacht haben...
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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon Vollbreit » Di 12. Feb 2013, 21:42

ujmp hat geschrieben:Man suggeriert sich selbst etwas, was man gerne wahr haben möchte, z.B. das Gott mit einem redet oder dass man eine läuternder Naturerfahrung hatte. Diese "Erfahrungen" beruhen nicht auf Sinnesdaten, sondern auf Vorsstellungen, die man selbst geschaffen hat.


Echt, muss man sich beim Meditieren selbst was suggerieren? Wer hat Dir das beigebracht, ich habe überall das exakte Gegenteil gehört. Würde mich wirklich mal interessieren, woher Du Deine Erkenntnisse hast.

ujmp hat geschrieben:Das sind nur blumige Wörter. Mir fällt kaum jemand ein, der perfekter "im Moment" lebt, als der gewöhnliche Konsument im Schlussverkauf.


Dann muss das ja so sein, wenn Dir kaum jemand einfällt.

ujmp hat geschrieben:Trance ist m.E. ein Zustand, den man gut mit "über den Dingen schweben" beschreiben kann.


Eigentlich ist Trance aber eher ein reduzierten und kein sehr wacher Zustand.
Kommt halt drauf an, was man damit bezeichnet.

ujmp hat geschrieben:Man betrachtet die Dinge wie ein Adler von oben aus der Distanz. Es geht um Distanz, nicht um Erhabenheit. Dadurch kann man eine große Weite überblicken, muss aber notwendigerweise Details übersehen. Aber das ist gerade der Witz daran. Z.B. können sich Konflikte des Alltags im Gehirn festsetzen, besonders, wenn sie sich nicht lösen lassen und den Menschen regelrecht zwingen, sich damit zu beschäftigen. Da kann es eine hilfreiche Übung sein, sich z.B. mal vorzustellen, wer man als Mensch eigentlich ist, als Teil der Natur oder als Teil des Universums. Man kann so Antworten für den Alltag finden, die einem nicht einfallen, solange der Verstand von Alltagsproblemen okkupiert bleibt. Diese Antworten sind aber keine Orakel und sollten vernünftig beurteilt werden. Und es kann einem dabei auch jede Menge Unfug einfallen.


Ach so, jetzt verstehe ich die Wendung. Die Einheitserfahrungen in der Natur, von denen ich sprach sind eher spontane, als herbeigeführte, aber die treten tatsächlich während der Konfrontation mit Erhabenem, wie Du sagst, ein. Klassischerweise waren das Naturerlebnisse, aber nicht selten treten sie auch im Zusammenhang mit großer Kunst auf. Auch das macht man ja nicht um eine spirituelle Erfahrung zu machen, sondern, um Musik zu hören.

Und ja, Trancetechniken (wenn man das so nennen will) sind sinnvoll, aber so eine richtig spirituelle Monstertechnik ist das eigentlich nicht. Es ist eine Fokussierung der Aufmerksamkeit, Meditation ist Öffnung. Aber jede Technik hat auch ihre Berechtigung und Bedeutung.
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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon ujmp » Di 12. Feb 2013, 21:51

Vollbreit hat geschrieben:Echt, muss man sich beim Meditieren selbst was suggerieren?

Ich habe das nicht behauptet. Wenn du zu müde bist, antworte einfach nicht!
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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon Myron » Di 12. Feb 2013, 22:10

Der Begriff der Spiritualität (Geistlichkeit) ist nichtssagend. Mir ist keine gehaltvolle allgemeine Definition bekannt. Man könnte darunter Intellektualität verstehen, sodass eine "spirituelle Person" einfach ein Intellektueller wäre. Oder man könnte darunter Meditativität verstehen, sodass eine "spirituelle Person" einfach ein Meditierer wäre. Oder man könnte darunter spiritualistische Religiosität verstehen, sodass eine "spirituelle Person" eine wäre, die an geistige Wesen oder Kräfte glaubt und diese anbetet oder beschwört.
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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon Vollbreit » Di 12. Feb 2013, 22:26

@ ujmp:

Nee, ich bin noch wach genug und habe es eben noch mal gecheckt:
Es ging um Einheitserfahrungen. Dabei, bzw. im Vorfeld, suggeriert man sich dann also was.
Habe ich so nie erfahren, Du?

Ich habe auch nicht gehört, dass man sich das suggerieren sollte/müsste oder das tut, wenn man Einheitserfahrungen macht.
Ich würde aber gerne wissen, wer Dir das gesagt, oder wo Du das gelesen hast.
Quellen anzugeben ist ja hier ausdrücklich erwünscht.
Danke.
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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon Casti » Mi 13. Feb 2013, 02:08

Hallo,
danke für die Antworten, die ich (fast) alle noch einmal kurz zusammenfassen möchte:

Spiritualität ist:

- als Praxis primär eine Technik
- bspw. in die Natur zu gehen und Naturgesetze betrachten
- sich im Wald als Spaziergänger intensiv als Teil der Natur zu erleben
- Sinn für Humor, sich bekifft an den Strand zu setzen
- aktiv produzierte Vorstellungen
- als Begriff nichtssagend

Die Diskussion zwischen ujmp, Vollbreit und Zappa zusammenzufassen fällt mir schwer, eine Antwort auf meine Frage kann ich nicht erkennen. Vielleicht können sie ja noch einmal ansetzen :)

Befriedigt mich insgesamt nicht noch nicht so wirklich.
Auch die "Definition" im Wiki ("auf Geistiges ausgerichtete Haltung") trifft es mE nicht richtig.

Meine Vorstellung von nicht-religiöser Spiritualität geht in die Richtung, dass sich Menschen mit ihrem Geist, ihren Gedanken, mit dem beschäftigen, was sich jenseits der Auseinandersetzung mit der materiellen Welt befindet. Ich gehe dabei davon aus, dass die überwiegende Mehrheit der Gedanken der Menschen sich mit der Auseinandersetzung mit der materiellen Welt beschäftigt (was ist wieder blödes mit den Leuten bei der Arbeit passiert; was muss ich noch einkaufen; was hat meine Frau/Freundin wieder im Sinn gehabt, als sie dies und das meinte, als wir mit dem und der zusammen waren; was muss ich morgen alles erledigen; was war das schön, als ich gestern den Spaziergang gemacht habe; usw usf etc pp).

Religiöse Spiritualität geht mE in die Richtung, eine Vereinigung mit dem göttlichen Bewusstsein, mit Gott in mir, zu erreichen.
"Esoterische" Spiritualität setzt sich mit der Frage auseinander, welche Aufgabe die Seele in diesem Leben, in diesem meinem Körper zu verrichten hat, um ihr die Rückkehr in das "Unendliche Bewusstsein" zu ermöglichen. Oder damit, das "Höhere Selbst" zu erreichen.

Religiöse und Esoterische Spiritualität kann also beobachtet und beschrieben werden.
Jenseits dessen (also den Bereich, den Brights auszufüllen intendieren) kann ich Spiritualität erst einmal nicht erkennen, was aber auch an meiner eingeschränkten Sicht liegen kann. Daher zielte meine Frage auf eben diesen, für mich nicht übersehbaren Bereich.
Es ist mir (als jemand, der an die Idee von Gott und Seelenwanderung nicht glaubt) nicht genug, die Ideen von Gott und Seelenwanderung - und die damit verbundene Spiritualität - lediglich abzulehnen, sondern ich würde gerne eine eigene Form von Spiritualität dagegen setzen können. Wie genau diese Spiritualität aussehen könnte oder aussieht, ist genau der Punkt, mit dem ich mich aktuell auseinander setze.

Vielleicht hat ja jemand ein Anregung für mich. Wäre schön.

MfG
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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon fopa » Mi 13. Feb 2013, 07:59

Casti hat geschrieben:Auch die "Definition" im Wiki ("auf Geistiges ausgerichtete Haltung") trifft es mE nicht richtig.
Sehe ich auch so. Nach meinem Verständnis beinhaltet Spiritualität immer auch etwas Geistliches im Sinne einer nicht-naturalistischen Vorstellung. Sicherlich können auch Naturalisten Erfahrungen machen, die man gemeinhin als spirituelle oder transzendente Erfahrungen bezeichnet, bloß würden sie sie auf natürliche Prozesse zurückführen, während spirituelle Menschen darin eine 'göttliche' Berührung oder ähnliches sehen. Demzufolge glaube ich, dass eine naturalistische Weltanschauung Spiritualität in diesem Sinne ausschließt.

Betrachtet man Spiritualität nur als das Erfahren an sich, wie @Vollbreit meinte, sind wiederum alle Menschen eingeschlossen. Hier stellt sich mir nur die Frage, woran es liegt, dass die Begabung (oder besser Anfälligkeit) für Spiritualität individuell so unterschiedlich ausgeprägt ist. Beispiel aus meiner Familie: meine Mutter und ich sind überhaupt nicht spirituell, meine beiden Brüder dagegen sehr - sowohl was die Erfahrung als auch was die Begründung angeht. Vielleicht schränken logisches und vor allem kritisches Denken und ein naturalistisches Weltbild die 'Chance' auf spirituelle Erfahrungen ein...?

Casti hat geschrieben:Es ist mir (als jemand, der an die Idee von Gott und Seelenwanderung nicht glaubt) nicht genug, die Ideen von Gott und Seelenwanderung - und die damit verbundene Spiritualität - lediglich abzulehnen, sondern ich würde gerne eine eigene Form von Spiritualität dagegen setzen können. Wie genau diese Spiritualität aussehen könnte oder aussieht, ist genau der Punkt, mit dem ich mich aktuell auseinander setze.
Das halte ich für schwierig. Ich habe selbst einige Versuche miterlebt, nämlich bei den Unitariern, einer monistisch geprägten Religionsgemeinschaft. Vielleicht fehlt mir aber auch bloß das spezielle "Spiritualitäts"-Organ, oder die entsprechende Hirnregion ist bei mir verkümmert. Jedenfalls würde ich dir empfehlen, dich mal bei solchen Gemeinschaften wie den Unitariern umzuschauen, wenn du eine "gottlose Spiritualität" suchst.
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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon ujmp » Mi 13. Feb 2013, 08:06

Vollbreit hat geschrieben:Echt, muss man sich beim Meditieren selbst was suggerieren?

Man muss beim Medititieren nichts. "Einheitheitserfahrung" ist aber nicht gleich Meditieren. Aber immerhin ist Meditieren ein aktiver Prozess. Ich behaupte mal, dass "Eins mit der Natur sein" ein Urteil ist, und keine Erfahrung. Mancher mag sich an den Konsequenzen dieses Urteils berauschen und diesen Rausch dann "Einheitheitserfahrung" nennen. Es sind aber selbstproduzierte Vorstellungen, die ihn entzücken. "Einheit" ist m.E. grundsätzlich nicht empirisch.

Vollbreit hat geschrieben:
ujmp hat geschrieben:Das sind nur blumige Wörter. Mir fällt kaum jemand ein, der perfekter "im Moment" lebt, als der gewöhnliche Konsument im Schlussverkauf.

Dann muss das ja so sein, wenn Dir kaum jemand einfällt..

Ich wollte dich damit herausfordern, mal zu erklären, was du mit mit "unablässig im Moment" sein meinst - weil mir scheint, dass du selbst nur ein diffuse Vorstellung von dem hast, worüber du hier redest.
Zuletzt geändert von ujmp am Mi 13. Feb 2013, 08:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was bedeutet eigentlich Spiritualität?

Beitragvon ujmp » Mi 13. Feb 2013, 08:17

Myron hat geschrieben:Der Begriff der Spiritualität (Geistlichkeit) ist nichtssagend. Mir ist keine gehaltvolle allgemeine Definition bekannt. Man könnte darunter Intellektualität verstehen, sodass eine "spirituelle Person" einfach ein Intellektueller wäre. Oder man könnte darunter Meditativität verstehen, sodass eine "spirituelle Person" einfach ein Meditierer wäre. Oder man könnte darunter spiritualistische Religiosität verstehen, sodass eine "spirituelle Person" eine wäre, die an geistige Wesen oder Kräfte glaubt und diese anbetet oder beschwört.

Ich find das der Bergiff religiös vorbelastet ist, find aber, dass man nicht so schnell sagen sollte, Naturalisten kennen keine Spiritualität. Bei Materialismus ist das noch schärfer. Wenn man sich als Materialist bekennt, hören manche raus, es würde einem nur ums Geld gehen. Naturalisten denken angeblich nur in Kategorien der Evolution und so was. Man könnte aber das, was manche unter Spiritualität verstehen, einfach als "Besinnlichkeit" bezeichnen - und das kennen Naturalisten sehr wohl.
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