Christian E. Pfeil hat geschrieben:Guten Tag,
Ich komme gleich zur Sache, nämlich ihren Artikel "Der Atheismus schlägt zurück".
Zunächst einmal, was wäre daran so schlimm?
Weiter schreiben sie: "Und weil im Darwinismus für die Kranken und Schwachen bekanntlich kein Platz ist, kann man sich an fünf Fingern abzählen, wie Dawkins wohl mit ihnen verfahren würde, wenn man ihn ließe." - Ich gehe mal zu ihren Gunsten davon aus, das sie Darwinismus, also seine Evolutionstheorie, mit Sozialdarwinismus verwechseln und nicht ernsthaft den für sein Werk "Das Egoistische Gen" berühmten Biologen als Sozialdarwinisten beleidigen wollten. Ich werde ihnen mal den Unterschied, damit es später nicht weiteren tragischen Irrtümern kommt, mal anhand eines Beispiels, dass selbst sie als katholische Zeitung nachvollziehen können, darlegen. "Survival of the fittest" wurde falsch übersetzt. Fitness kommt von to fit, fit, fit, also (rein-)passen, wie etwa in eine biologische Nische.
Islamismus verhält sich zu Islam wie Sozialdarwinismus zu Darwinismus. Ich denke, es dürfte klar sein, dass der Sozialdarwinismus eine pervertierte und entstellte Version des Orginals ist.
Desweiteren der Abschnitt zum 11. September. Sie halten wohl Falwells aussage der 11. September oder Kathrina seinen eine Strafe Gottes für das dekadente Amerika für besser? Nicht jeder Gläubige wird sich in ein Hochhaus stürtzen. Niemand sagt, dass Atheisten, wie ich, per se bessere Menschen sind. Aber solange noch in Namen von Gott oder Göttern gemordet wird sehe ich nicht, warum man nicht dagegen vorgehen sollte. Weitere Auswüchse stellen z.B. das Kreationistenmuseum in Kentucky, Ohio dar, das den Leuten ernsthaft glauben machen will (aller Beweise wie radiologische und astronomische Methoden zutrotz), dass die Erde nur 6000 Jahre alt ist und dass Dinos und Menschen zeitgleich gelebt haben sollen. Die Neuen Atheisten sind eine Gegenbewegung zu den umsichgreifenden Evangelikalen. Überhaupt, warum fordert man von uns political correctness? Warum sollen wir tolerant sein, wenn die Fundamente unserer Gesellschaft, Aufklärung und Humanismus, angegriffen werden? Sie sollten sich wirklich mal anhöhren was Leute wie Jerry Falwell sagen, hier spricht er über den 11.9.: "The abortionists have got to bear some burden for this because God will not be mocked. And when we destroy 40 million little innocent babies, we make God mad. I really believe that the pagans, and the abortionists, and the feminists, and the gays and the lesbians who are actively trying to make that an alternative lifestyle, the ACLU, People for the American Way — all of them who have tried to secularize America — I point the finger in their face and say "you helped this happen." Zu deutsch etwa: "Ich glaube wirklich, dass all die Ungläubigen, Abtreibungsbefürworter, die Feministen, die Schwulen und Lesben die versuchen daraus einen alternativen Lebensstil zu machen, die ALCU, die People for the American Way - all jene die versuchen Amerika zu säkularisieren - ich zeige mit dem Finger auf euch und sage: 'Ihr habt dazu Beigetragen, dass das passierte.' Warum hasste er diese Menschen so? Vielleicht, weil es in der Bibel steht?!
Und sie nennen Dawkins extrem, weil er gegen Gott ist, ein Gott, der Falwell zu solchen Aussagen bewegte. Dies belegt meiner Ansicht nach Dawkins Auffassung vom christlichen Gott. Das die Amis sowas lieben, kann man anhand der überall aus dem Boden schießenden Megachurches belegen.
Sie schreiben: "Man könnte so etwas als spätpubertäre Wichtigtuerei von Leuten abtun, die offensichtlich mit ihrer freien Zeit nichts Besseres anzufangen wissen." Dies trifft wohl auch auf Leute wie Pat Robertson oder Jerry Falwell (möge sein Gott ihm gnädig sein) zu. Außerdem, Wissenschaftler habe wirklich besseres vor, als eine Debatte zu führen, die sich eigentlich schon längst erledigt haben müsste. Die Wissenschaftler würden gerne viel lieber in ihrem Fachgebiet forschen, als darum kämpfen zu müssen, dass sie nicht von Klerikalen gegängelt werden.
Im Prinzip ist der Konflikt ganz einfach. Die Gläubigen haben angst, dass die Wissenschaftler ihnen ihren Gott wegerklären, die Atheisten ,wie ich, meinen: Ist erstmal die Evolutionstheorie geschliffen, dann ist es nicht weit bis zur Ächtung aller Schwulen, Ungläubigen, Linken, Freidenker, der freien Meinungsäußerung und dem Niederreißen der Grenzen zwischen Staat und Kirche. Wir Atheisten wollen keinen neuen Gottesstaat. Schon die Gründerväter betonten das "Amerika keine Nation in irgendeiner Form unter Gott ist" - Thomas Jefferson. Noch mal zu Toleranz, erstens, es wird nicht so heiß gegessen wie gekocht, zweitens, nur wer auffällt bekommt PR (q.e.d.). Haben irgendwelche Atheisten zu morden an Vertretern der RKK, der Babtisten an Teleevangleisten aufgerufen?
Zu dem Abschnitt, wo sie über die GBS abrotzen. Passen sie auf, wen sie als Intolerant bezeichnen, s.o.! Herr Ratzinger hat sich mit seinen aussagen gegenüber der amerikanischen Eingeborenen ja sehr tolerant und aufgeklärt gezeigt (Achtung Ironie!). Erinnern sie sich an die Sache mit dem Splitter im Auge? Ein guter Rat, den sogar Atheisten beherzigen. Den Spiegel wird selbst bei "uns" mit Vorsicht begutachtet, da auch der Spiegel ins andere extrem geht. Sie dürfen damit rechnen, dass einige Leserbriefe auch an den Spiegel gehen, sei es von den Brights oder der GBS.
"In Europa hieße das: Keine öffentlichen Gottesdienste, keine christlichen Schulen, kein Religionsunterricht an staatlichen Schulen. Kein Weigerungsrecht für Ärzte, die sich nicht an Abtreibungen und Euthanasie beteiligen wollen und vieles andere mehr." Gottesdienst fallen unter Versammlungsfreiheit, dass wollen wir ihnen natürlich nicht streitig machen (Wieso auch? Wieso sollten wir die Grundrechte antasten?). Religion hat in staatlichen Schulen nichts zu suchen, da das unter Trennung von Staat und Kirche fällt. Religion sollte in der Schule neutral neben anderen Philosophien und im historischen Kontext betrachtet werden. Private Schulen können das selbstverständlich anders machen, die Abschlüsse sollten dann aber nicht vom Staat anerkannt werden (Verfahren ähnlich der Waldorfschule). Kein Arzt witrd dazu gezwungen Sachen zu tun, die nichts mit der Behandlung von Krankheiten zutun hat, schade dass ihnen das noch nicht aufgefallen ist. Euthanasie ist hier sowieso völlig unangebracht (Diskussionsregel: Wer mit Hitler argumentiert, hat den schwächeren Standpunkt.). Ich denke, dass alleiniges Entscheidungsrecht der Mutter ist, ob sie ein Kind austrägt.
Zu Dawkins Spruch: Warum soll ich Leute und deren Glaube respektieren, die für ihren Glauben und 72 Jungfrauen töten? Warum?! Das leuchtet mir einfach nicht ein.
Über das egoistische Gen. Dawkins hat das ganze mit dem Gen vereinfacht dargestellt. Sie gehen eine Stufe weiter und unterstellen den Genen mit dem gezielten Schaffen eines Autors anthropomorphe Eigenschaften und Kollektivbewusstsein. Dadurch wird ihre gesamte weitere Argumentation hinfällig. Das ist so, als würde ich einem Elektron unterstellen, es würde Protonen ganz doll lieben und daher zu ihnen wollen. Aber wenn sie einfache Prinzipien mit Übernatürlichen verbinden wollen...
Das egoistische Gen ist so etwas wie Murphys Gesetze, man kann ihre Gültigkeit nicht belegen, es ist aber auch schwer daran zu zweifeln, da man immer wieder feststellt, wie Sachen schief gehen.
Ich habe meinem Kopf nicht im (am) Unterleib. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Atheisten und Gläubigen ist, dass gerade die Atheisten denken und daher alles kritisch hinterfragen. Schon Goethe wusste: "Wer in Glaubenssachen den Verstand befragt, kriegt unchristliche Antworten."
In diesem Sinne, Gott sei mit ihnen.
Ohne Grüße, Christian Pfeil, ein Bright und Azubi für Systemelektronik.
Ja ich weiß, ich muss das mit dem formulieren noch etwas üben, aber der aggressive Ton, halte ich für angebracht.