Vollbreit hat geschrieben:Ach, erklär’s mir doch noch mal mit Deinen eigenen Worten, Zappa.
Und dann habe ich noch einen Frage: Angenommen Du hättest einen Sohn im sexuell experimentierfähigen Alter. Würdest Du ihm sagen: Junge, da gibt es so’ne böse Geschlechtskrankheit, lass Dich mal zur Sicherheit beschneiden?
Deutlicher kann man den Mist des Pro-Beschneidungsarguments, Beschneidung schütze vor HIV und anderen Geschlechtskrankheiten, nicht mehr unterstreichen.Vollbreit hat geschrieben:... mein Sohn braucht keine Kondome, dem habe ich die Vorhaut wegschneiden lassen...
Myron hat geschrieben:http://www.who.int/hiv/mediacentre/news68/en/
Das heißt, die Beschneidung allein bewirkt herzlich wenig.
Myron hat geschrieben:Absurd ist es allerdings, wenn behauptet wird, die afrikanischen AIDS-Studien der WHO lieferten ein Argument für die Beschneidung sexuell inaktiver Säuglinge und Kinder.
Bisweilen kann man den Eindruck haben, dass es nicht nur einen religiösen, sondern auch einen anti-religiösen Fundamentalismus gibt. Die Unversöhnlichkeit der Kopftuch-Debatte findet in der Beschneidungs-Debatte ihre Fortsetzung. Das hat mit Aufklärung nichts zu tun. Aufklärung ist nicht die Verächtlichmachung der Anderen. Eine aufgeklärte Gesellschaft ist eine, die auf respektvolles Zusammenleben achtet.
Dissidenkt hat geschrieben:Die Beschneidung wird von der WHO als hygienische und HIV-Infektions-Präventive-Maßnahme empfohlen, wo die Hygienebedingungen schlecht und der Supermarkt mit Kondomen nicht um die Ecke ist.
Das ist eine vollkommen rationale Sichtweise.
Dissidenkt hat geschrieben:Wer redet von sexuell aktiven Säuglingen?![]()
Selbstverständlich sind nicht die Säuglinge sexuell aktiv, sondern später die beschnittenen oder nicht-beschnittenen Jugendlichen oder Erwachsenen.
Hier werden auch Kinder geimpft, wenn es um die Vermeidung von Krankheiten geht, die sie als Jugendliche oder Erwachsene bekommen können.
Dissidenkt hat geschrieben:Bisweilen kann man den Eindruck haben, dass es nicht nur einen religiösen, sondern auch einen anti-religiösen Fundamentalismus gibt. Die Unversöhnlichkeit der Kopftuch-Debatte findet in der Beschneidungs-Debatte ihre Fortsetzung. Das hat mit Aufklärung nichts zu tun. Aufklärung ist nicht die Verächtlichmachung der Anderen. Eine aufgeklärte Gesellschaft ist eine, die auf respektvolles Zusammenleben achtet.
Genau mein Reden!
Vollbreit hat geschrieben:Ach, erklär’s mir doch noch mal mit Deinen eigenen Worten, Zappa.
Dissidenkt hat geschrieben:Selbstverständlich sind nicht die Säuglinge sexuell aktiv, sondern später die beschnittenen oder nicht-beschnittenen Jugendlichen oder Erwachsenen. Hier werden auch Kinder geimpft, wenn es um die Vermeidung von Krankheiten geht, die sie als Jugendliche oder Erwachsene bekommen können.
Dissidenkt hat geschrieben:Der Kommentar von Prantl in der SZ trifft die Sache ganz gut:
http://www.sueddeutsche.de/politik/stre ... -1.1413208Bisweilen kann man den Eindruck haben, dass es nicht nur einen religiösen, sondern auch einen anti-religiösen Fundamentalismus gibt. Die Unversöhnlichkeit der Kopftuch-Debatte findet in der Beschneidungs-Debatte ihre Fortsetzung. Das hat mit Aufklärung nichts zu tun. Aufklärung ist nicht die Verächtlichmachung der Anderen. Eine aufgeklärte Gesellschaft ist eine, die auf respektvolles Zusammenleben achtet.
Zappa hat geschrieben:Beschneidung ist in mehreren Studien mit einer Reduktion der Übertragungsrate für sexuell übertragbare Erkrankungen (inkl. HIV) assoziiert (noch eine Metaanalyse dazu: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16581731 ). Darüber hinaus scheint es nicht so zu sein, das die Beschneidung den Kondomgebrauch beeinflusst (-> http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22649434 ), der Vorteil wäre also als additiv anzunehmen.
Nanna hat geschrieben:Ich kann Prantl sehr gut leiden und verteidige auch regelmäßig die Kopftuchträgerinnen gegen Leitkulturalisten, aber meiner Meinung nach übersieht Prantl hier einen gewaltigen Unterschied. In der Kopftuchdebatte geht es um mündige Menschen, die ein Symbol anlegen, bei der Beschneidungsdebatte um einen irreversiblen körperlichen Eingriff an einer nicht einwilligungsfähigen Person, die mit einer dreisten Selbstverständlichkeit einfach unter die religiöse Community subsummiert wird, obwohl sie dazu gar keine Meinung abgeben kann.
....
Respekt gegenüber Individuen muss vor dem Respekt gegenüber Gruppen stehen und da gebietet der Respekt gegenüber dem Kind, ihm die Entscheidung zu gegebener Zeit selbst zu überlassen. Die Protestanten kriegen es doch beispielsweise auch hin, ihren Nachwuchs in einigermaßen religionsmündigem Alter selbst entscheiden zu lassen, ob er zur Konfirmation gehen will oder nicht. Im Falle der Beschneidung dagegen wird das Recht des Kindes auf Selbstbestimmung dagegen zugunsten von Gruppenritualen systematisch heruntergespielt. Es gibt nunmal religiöse Sitten, die nicht mit den Regeln einer liberalen Gesellschaft, die den moralischen Anspruch des Liberalismus ernst nimmt, kompatibel sind. Es wird sich doch ein Ersatzritual finden lassen, das nicht derart in die Körperlichkeit eingreift, oder nicht?
Myron hat geschrieben: Es ist sehr fraglich, ob sich das Ausmaß der Verringerung des Ansteckungsrisikos durch eine Beschneidung überhaupt in Isolation von allen anderen Faktoren ermitteln lässt.
Dissidenkt hat geschrieben:Von einem "irreversiblen körperlichen Eingriff" zu schwadronieren, ist pure Demagogie. Auch das Durchtrennen der Nabelschnur ist ein "irreversibler körperlicher Eingriff" oder wenn man so will eine "Körperverletzung", wie diejenigen gerne "argumentieren", die es nicht bei Polemik belassen, sondern bewusst verleumden wollen. Diese Polemik sagt rein gar nichts darüber aus, ob der Eingriff sinnvoll, überflüssig, schädlich oder harmlos ist und DAS sind die Kriterien, nicht ob er "reversibel" ist. Wer will, kann sich ja seine Vorhaut später vergrössern lassen. Welchen Sinn das haben könnte, erschliesst sich der Welt allerdings bis jetzt noch nicht.
Dissidenkt hat geschrieben:Die Legitimität der Beschneidung lässt sich in meinen Augen ganz einfach beantworten:
Nehmen wir an wir haben hier zwei männliche Erwachsene genannt A und B.
Der eine wurde aus religiösen Gründen beschnitten, der andere aus medizinischen.
Du darfst sie dir genau angucken und sagst mir dann, wer aus religiösen und wer aus medizinischen Gründen beschnitten wurde und welchen - wie auch immer gearteten - Nachteil der eine und der andere dadurch im Leben in Kauf nehmen mussten.
Dissidenkt hat geschrieben:...wer aus religiösen und wer aus medizinischen Gründen beschnitten wurde ...
stine hat geschrieben: Bei dieser Behandlung gibt es selten Probleme und sie ist für das Kind völlig schmerzfrei.
Wann war das: "Vor nicht allzu langer Zeit?"Zappa hat geschrieben:Vor nicht allzu langer Zeit hat man Kinder im Übrigen ohne Narkose operiert, weil man meinte die würden keinen Schmerz wahrnehmen. Ist längst widerlegt.
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