FED (US-Notenbank)

FED (US-Notenbank)

Beitragvon Mark » So 6. Mär 2011, 19:27

Weil mir auffiel, wie wenige dies wissen..
Wer von Euch weiss, daß die Notenbank der USA in Privatbesitz der Grossbanken ist ?
Bitte ehrlich antworten, es interessiert mich inwiefern dieses Wissen Verbreitung findet.
Benutzeravatar
Mark
 
Beiträge: 1683
Registriert: Do 30. Nov 2006, 18:19
Wohnort: München

Re: FED

Beitragvon stine » So 6. Mär 2011, 19:56

Ich habe mich noch nie danach erkundigt und mich schlau gemacht. Ehrlich gesagt dachte ich, die US-Notenbank wäre eine staatliche Einrichtung, sozusagen das Bankenleitsystem.

:/ stine
Benutzeravatar
stine
 
Beiträge: 8022
Registriert: Do 27. Sep 2007, 08:47

Re: FED

Beitragvon Mark » So 6. Mär 2011, 20:12

tja, sollte man eigentlich denken ;-)
Benutzeravatar
Mark
 
Beiträge: 1683
Registriert: Do 30. Nov 2006, 18:19
Wohnort: München

Re: FED

Beitragvon xander1 » So 6. Mär 2011, 20:16

Ich habe es nicht gewusst und merke gerade wie korrupt die Amerikaner sind, wenn das wahr ist, zumindest fühlt es sich so an.
Benutzeravatar
xander1
 
Beiträge: 2825
Registriert: Sa 12. Jul 2008, 07:52

Re: FED (US-Notenbank)

Beitragvon Nanna » So 6. Mär 2011, 22:20

Wusste ich bereits, aber auch erst seitdem das während der Finanzkrise 2008 mehrfach in Medienberichten betont wurde.

Kleiner Tipp: Erstelle bei solchen Fragen doch einfach eine Umfrage.
Benutzeravatar
Nanna
Mitglied des Forenteams
Mitglied des Forenteams
 
Beiträge: 3338
Registriert: Mi 8. Jul 2009, 19:06

Re: FED (US-Notenbank)

Beitragvon musicman » So 6. Mär 2011, 23:08

Ich glaub Gandalf hat das auch schon mal erwähnt, aber keiner hats ihm geglaubt.

musicman
musicman
 
Beiträge: 738
Registriert: Mi 16. Sep 2009, 21:56

Re: FED (US-Notenbank)

Beitragvon Mark » So 6. Mär 2011, 23:34

Wenn ichs nicht wüsste und nicht nachprüfen könnte würde ich das aus dem Stehgreif auch nicht glauben.
Ich kann nur nicht verstehen wie den Banken dann das Geld ausgehen konnte, wenn sie es doch selber drucken dürfen ?
Wollte man die Chance nutzen zwecks Bereicherung bestehende Gelder abzugreifen um nicht die Inflation anzuheizen ?
Benutzeravatar
Mark
 
Beiträge: 1683
Registriert: Do 30. Nov 2006, 18:19
Wohnort: München

Re: FED (US-Notenbank)

Beitragvon Nanna » Mo 7. Mär 2011, 12:48

http://de.wikipedia.org/wiki/Federal_Reserve_System

Naja, so einfach ist es nicht. Die Banken sind zwar die Eigentümer, das Direktorium wird aber - Google & Wikipedia machen schlau - vom US-Präsidenten bestimmt und vom US-Senat ernannt. Die FED scheint mehr so eine Art public private partnership zu sein, sie ist jedenfalls keine rein private Veranstaltung.
Benutzeravatar
Nanna
Mitglied des Forenteams
Mitglied des Forenteams
 
Beiträge: 3338
Registriert: Mi 8. Jul 2009, 19:06

Re: FED (US-Notenbank)

Beitragvon Zappa » Mo 7. Mär 2011, 15:59

Trotzdem eine denkwürdige Konstruktion :irre:

Ansonsten war/bin ich genau so schlau wie @stine.
Benutzeravatar
Zappa
 
Beiträge: 1416
Registriert: Mi 29. Jul 2009, 19:20

Re: FED (US-Notenbank)

Beitragvon Gandalf » Mo 7. Mär 2011, 21:00

Mark hat geschrieben:Ich kann nur nicht verstehen wie den Banken dann das Geld ausgehen konnte, wenn sie es doch selber drucken dürfen ?


Die Ursache warum Geld - trotz Druckerpresse - "kollabieren" kann (in Form von Bankbilanzen), ist in unserem "modernen" Schuld-Geldystem begründet. Obwohl viele (wohl die allermeisten? - auch hier?) immer noch glauben, dass "unser Geld" doch durch irgendetwas werthaltiges gedeckt sein müsste, - ist das nicht der Fall. Der "Goldstandard" zu "Kaisers Zeiten", mit dem Recht für eine "Mark" einen bestimmte Menge an Gold zu erhalten, scheint immer noch irgendwie in den Köpfen präsent zu sein. Und die "Herren des Geldes" haben natürlich auch kein Interesse daran den Leuten diesen Glauben auszutreiben. Es ist so einfach: Ich überziehe mein Konto (.. die Bank erlaubt es mir..) - und schöpfe damit Geld. Da es allein auf ein 'Rückzahlungsversprechen' ("Schuld") in der Zukunft gründet, in der die Wirtschaft immer weiter wächst und wir alle 'unendlich reich' werden (natürliche Ressourcenknappheit, Ökologie und Kreislaufwirtschaft kommen in diesem mathematisch exponentiell wachsenden System nicht vor), haben die Banken ein Probelm: Es müssen sich immer neue Schuldner finden lassen, die die Geldillusion (und die Zinsen und Rendite auf dieses virtuelle Wachstum) aufrecht erhalten. Denn wenn ich meine Überziehung zurückführe, ist der Saldo (wieder) "null" - und das 'Geld aus dem Pyramidenspiel verschwunden' (...an dem sich kräftig verdienen lässt) Finden sich keine 'Freiwilligen' (weil z.B Privatpersonen nicht mehr an das unbegrenzte materielle Wachstum glauben), - muss der Staat einspringen und 'bestimmt uns zu Freiwilligen' (Steuerzahlern, - respektive 'Schuldknechten'), damit das System nicht kollabiert. Da dies rechtlich bedenklich ist, scheut man sich auch nicht davor Recht und Gesetz sukzessive auszuhebeln .... (siehe "Euro-Rettungspakt" - Beugung des Grundgesetzes und Rücktritt des Bundespräsidenten).

Und das ist der Grund, warum die Banken nicht selbst "Geld drucken" (obwohl sie es natürlich mittels Erpressung der demokratischen Instituitionen natürlich tun): Sie brauchen den Staat, der mittels seines Gewaltmonopols, das Pyramidenspiel am laufen hält und den "Schein wahrt", dass sich 'Arbeit und Leistung lohnt'.

Zur FED:

Die Zusammensetzung der FED ist imho bei wikipedia wohl mit am Besten beschrieben: http://de.wikipedia.org/wiki/Federal_Reserve_System. Staat und (intransparente) Banken geben sich die Hand.

Demgegenüber ranken sich viele VT', um die Gründung der selbigen, die jedoch meines Wissens alle aus (einer oder wenigen) dubiosen Quellen stammen (ala "jüdische Weltverschwörung" und so). Bei genauerer Betrachtung beibt da wenig von. Allerdings wird man das Gefühl nicht los, dass auch hier die Herren des Geldes absichtlich die nötige Transparenz und Aufklärung vermissen lassen. Ein Teil der Macht der Mächtigen scheint stets darauf zu beruhen, das man den "Machtlosen" den Eindruck vermittelt, dass den Mächtigen so ziemlich "alles zuzutrauen" ist. (Man denke hier auch an die 'pure Esoterik' um die "Magie der 13" u.a. auf der 1-Dollar-Note. Das ist gewiss kein Zufall)

Der (libertäre) republikanische Kongreßabgeordnete (und der von den Medien verschwiegene Präsidentschaftskanditat) 'Ron Paul' kämpft schon lange für genau diese (nötige) Transparenz und hat schon ein paar Teilsiege erringen können (Obwohl sich die FED, resp. Ben Bernanke natürlich mit Händen und Füßen wehrt und bei den dazu erforderlichen Anhörungen im Kongress (wieso haben wir sowas nicht?) den Untergang der USA an die Wand malt):
http://ronpaul.blog.de/2009/05/19/ron-p ... n-6143763/

Mark hat geschrieben:Wollte man die Chance nutzen zwecks Bereicherung bestehende Gelder abzugreifen um nicht die Inflation anzuheizen ?


Inflation ist derzeit nur bei Aktien und auf den Rohstoffmärkten ein Thema: Das Geld das die Staaten in's System gießen, um den Kollaps (Deflation) zu verhindern, kommt nicht bei den Menschen an, sondern bläht die nächsten Blasen auf den Finanz- und Rohstoffmärkten (Nahrungsmittelspekulationen!) auf. (Es ist ja mehr an der 11%igen Griechenlandanleihe verdient als an den 4% die der Häuslebauer zahlen möchte) Es wäre den Staaten (v.a. den USA) sehr recht, wenn sie eine Inflation entfachen könnten: Die Schulden könnten einfach mit Papier zurückgezahlt werden. Nichts anderes verbirgt sich hinter den sogen "Quantitative Easing"-Maßnahmen der FED und EZB. Nur: Die Menschen müssen auch mitspielen (wollen): Sie müssen überaus optimistisch der Zukunft entgegenstreben, konsumieren, Häuser bauen, Kinder zeugen - sich also langfristig an 'noch mehr Schuldversprechen' binden (wollen). Je gereifter ein Pyramidenspiel jedoch ist, um so schwieriger wird es das "Feuer der Begeisterung" am laufen zu halten, bzw. 'noch stärker' zu entfachen. Da muss man schon nachhelfen: Überaus optimistische Wirtschaftsberichterstattung fern jeglicher Realität, Manipulation der Arbeitslosigkeitsstatistiken und pushen der Aktienmärkte und Jubel über die selbigen. Die Realität sieht für viele bekanntlich etwas anderes aus: Anstatt mehr konsumieren zu können, muss man sich mit Gehaltskürzungen abfinden, anstatt Steuererleichterungen werden die Steuern immer höher und anstatt ein Haus zu bauen (wofür eine feste Kalkulation von 20-30 Jahren erforderlich ist) müssen sich junge Familien mit erpresserischen Zeitarbeitsvermittlern herumschlagen. Die Umverteilung des Geldvermögens von unten nach oben, - von den Leistenden zu den Leistungsempfängern, nimmt dramatisch zu.

Das ist alles kein Umfeld in dem sich eine Inflation entwickeln kann, die bei der Bevölkerung ankommt. Die Gefahr heißt derzeit "Deflation", die den (imho unvermeidlichen) 'GameOver' früher oder später bringen wird. imho: früher. Man beachte dabei die Edelmetalle (= nicht durch Schuldversprechen erzeugtes "Geld", sondern in der Vergangenheit erarbeiter Wert!) als Seismometer für den GO (- und weniger als Inflationsanzeige)


Grüße
Benutzeravatar
Gandalf
 
Beiträge: 925
Registriert: Mo 25. Feb 2008, 20:54

Re: FED (US-Notenbank)

Beitragvon Nanna » Mo 7. Mär 2011, 21:37

Prognosen sind ja bekanntlich besonders Zukünftiges betreffend immer sehr unsicher, aber sagen wir mal einen für einen Augenblick, ich als ahnungsloser Laie akzeptiere, dass du mit dem geschilderten System recht hast: Was passiert im Game Over deiner Meinung nach?
Benutzeravatar
Nanna
Mitglied des Forenteams
Mitglied des Forenteams
 
Beiträge: 3338
Registriert: Mi 8. Jul 2009, 19:06

Re: FED (US-Notenbank)

Beitragvon 1von6,5Milliarden » Di 8. Mär 2011, 10:25

Mark hat geschrieben:Wer von Euch weiss, daß die Notenbank der USA in Privatbesitz der Grossbanken ist ?
Der Begriff eines Unternehmens des Privatrechts (auch wenn die US-Begrifflichkeiten von deutschem Recht differieren, oder auch insbesondere, weil sie different sind? Egal) wird von vielen nicht immer richtig aufgefasst. Und nicht die Großbanken haben den Besitz, sondern 12 regionale "federal reserve banks" an denen (AFAIK) knapp 40 % aller US-Banken beteiligt sind. Es ist also eher eine genossenschaftliche Organisation, mit nicht nur starker gesetzlicher Reglementierung (die Mitglieder (Banken) dürfen die Satzungen nicht ändern, die sind gesetzlich (also staatlich) vorgegeben, auch die Führung wird vom Staat bestimmt.
Benutzeravatar
1von6,5Milliarden
Mitglied des Forenteams
Mitglied des Forenteams
 
Beiträge: 5236
Registriert: Sa 25. Nov 2006, 15:47
Wohnort: Paranoia

Re: FED (US-Notenbank)

Beitragvon Gandalf » Do 10. Mär 2011, 21:40

Nanna hat geschrieben:Prognosen sind ja bekanntlich besonders Zukünftiges betreffend immer sehr unsicher, aber sagen wir mal einen für einen Augenblick, ich als ahnungsloser Laie akzeptiere, dass du mit dem geschilderten System recht hast: Was passiert im Game Over deiner Meinung nach?


richtig. Wenn es dann mal "spitz auf Knopf" steht, wird schwer zu sagen sein, in welche Richtung das System kippt. Zumindest dürften "interessante Zeiten" vor der Tür stehen.

Wenn ich mich mal aus dem Fenster lehnen und fabulieren darf, sehe ich zunächst einen unvermeidlichen deflationären 'Enthauptungschlag', der - wieder mal - "völlig überraschend" nicht nur wesentliche Teile unserer (mittlerweile mit wenig Redundanzen fahrenden) Wirtschaftsunternehmen und Logistikketten zerstören wird. Unmittelbar darauf folgt das was die "sogen. Österreicher" als "crack-up-boom" bezeichnen: http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophenhausse. Eine hyperinflationäre Flucht in Sachwerte, um von den nicht mehr einlösbaren Schuldversprechen, die wir derzeit noch "Geldvermögen" nennen, zu retten was zu retten ist.

Wie sich dabei die Gesellschaft (die Demokratie) entwickeln könnte, ist eine zweite Frage. Das sich aber Menschen in Zeiten großer Verunsicherung automatisch den (u.a. biologisch geschuldeten) Grundwerten- und Einstellungen zuwenden, ist es durchaus möglich das (neben der Sehnsucht nach "(ver-)Führung" <> s.a. "Guttenberg") Stammesgesellschaften neu entstehen:
vlt. Interessante Interviews hierzu mit Paul C. Martin und Gunnar Heinsohn: http://www.cicero.de/97.php?item=5784
Benutzeravatar
Gandalf
 
Beiträge: 925
Registriert: Mo 25. Feb 2008, 20:54

Re: FED (US-Notenbank)

Beitragvon Nanna » Do 10. Mär 2011, 23:12

Ich habe mir die beiden Interviews mal durchgelesen. Ich kenne "eigentümlich frei" und den Argumentationsstil, den Leute aus der Ecke pflegen, da ein Bekannter von mir zu einer recht, ich würde sagen, radikalen Vertretung dieser Thesen neigt.

Ich merke an der Stelle an, dass ich eine Reihe von Brüchen in der Standardargumentation von ef & Co. bemerke, etwa, wenn Paul C. Martin clanartige Strukturen als Gegenmodell zum Staat, der angeblich die Freiheit raube, preist, so als wären aus Wissenschaft und Literatur nicht hundertausende Beispiele pathologisch totalitärer Familienstrukturen bekannt. Ich sage das deshalb, weil mich doch gewaltig stört, dass in vielen Beiträgen zu dem Thema Erlösungsfantasien mitschwingen. Das aber nur am Rande.

Ein Punkt, der für mich interessant wäre, ist, warum die Annahme existiert, dass ein Staatsbankrott gleichbedeutend einem Staatszusammenbruch wäre. Wir haben in Deutschland nach der letzten Hyperinflation eine weitestgehende Staatskonsolidierung erlebt, die schon begonnen hatte, bevor die Nationalsozialisten die Macht übernahmen. Wäre Hitler brav auf irgendeiner Fliese ausgerutscht und hätte sich den Hals gebrochen wäre die Katastrophe vielleicht nie oder zumindest nicht in dieser extremen Form passiert. Währungsreform, vielleicht Golddeckung wieder einführen, fertig - platt gesagt. Danach fangen wir halt wieder bei Null an, haben wir ja schon öfter gemacht. Wir haben auch während des vergangenen Jahrhunderts wesentlich größere und schlimmere Katastrophen erlebt und im Falle eines ganz ernsthaften Notstandes ist die Bundeswehr auch im Innern ganz schnell eingesetzt. Wenn die Autoren von ef glauben, dass alle Hurra schreien, weil der Staat zusammenbricht, übertragen sie ihre Sicht auf die Bevölkerung im Allgemeinen.
Da finde ich das Szenario von Heinsohn noch realistischer, denn ein Clansystem lässt sich schon in einer Kleinstadt nicht mehr betreiben. Die moderne Wirtschaft müsste vollständig zusammenbrechen dafür, bevor das passiert, lassen die Regierungen eher die Armeen gegen das eigene Volk marschieren und sie werden dabei zumindest in den Teilen Europas, in denen es Wirtschaftssubstanz gibt, auf Zustimmung in der staatstragenden Mittelschicht treffen.

Vielleicht kommt auch Marx noch zu später Genugtuung? Rosa Luxemburg war schon unter zeitgenössischen Kommunisten nicht sonderlich beliebt mit ihrer Meinung, dass die Weltrevolution erst in dem Augenblick stattfinden könne, in dem die Welt bis in den letzten Winkel durchkapitalisiert sei, in dem also jedes weitere Potential für Expansion ausgeschöpft sei. Luxemburg zog sich dadurch unfreindliche Reaktionen zu, weil sie damit eine lange Überlebenszeit für den Kapitalismus prophezeihte - aber im Grunde ist ihre Schlussfolgerung geradezu schmerzlich naheliegend. Ich könnte mir gut vorstellen, dass, falls es wirklich zu einem Kollaps nicht nur der Staatsfinanzen käme, sondern aufgrund einer brutal weit aufgegangenen Schere zwischen Armen und Reichen, tatsächlich Experimente in Richtung einer quasi-sozialistischen Grundordnung geben könnte, nur ohne das Übel der Planwirtschaft, das meiner Meinung nach viel mehr mit der Industrieordnung der klassischen Moderne als mit dem Sozialismus als philosophischer Idee zu tun hat. Praktizierbare Ansätze in dieser Richtung gibt es in den Steuersystemen der skandinavischen Länder oder dem Grundeinkommen ja bereits.

Also Fazit: Mir ist klar, dass das alles Spekulation ist, aber ich würde annehmen, dass wir nicht das Ende der Geschichte oder der Staatlichkeit erleben würden. Der weltweite Trend zur Bildung immer größerer Staaten und Wirtschaftseinheiten scheint mir da auch Recht zu geben. Solche Strukturen verschwinden nicht einfach über Nacht, selbst wenn es mächtig im Gebälk knirscht.
Benutzeravatar
Nanna
Mitglied des Forenteams
Mitglied des Forenteams
 
Beiträge: 3338
Registriert: Mi 8. Jul 2009, 19:06

Re: FED (US-Notenbank)

Beitragvon stine » Fr 11. Mär 2011, 07:53

Nanna hat geschrieben:Der weltweite Trend zur Bildung immer größerer Staaten und Wirtschaftseinheiten scheint mir da auch Recht zu geben.
Das aber genau könnte ein kapitaler Fehler sein. Zentralismus in immer größeren Einheiten funktioniert zwar aus administrativer Sicht meist sehr zuverlässig (siehe katholische Kirche) ist aber imgrunde für die Bevölkerung eine Katastrophe. Regionale Vielfalt geht verloren, Zwänge und starre Regeln verhindern die Kreativität und zur Einhaltung der Gesetze wird eine aufgeblähte Executive benötigt. Ob die große Einheit am Ende im Sozialismaus oder in einer Diktatur oder in einem diktierten Sozialismus endet wäre dann schon egal.
Nanna hat geschrieben:Wir haben auch während des vergangenen Jahrhunderts wesentlich größere und schlimmere Katastrophen erlebt
Du brauchts gar nicht soweit zu schauen, nimm die letzten 60 Jahre: So schlimm die Trennung eines Staates, hier in Ost- und Westteil, auch gewesen sein mag, eins hat sie deutlich gezeigt, nämlich die divergente Entwicklung zweier ganz unterschiedlicher Systeme. Welches letztlich das erfolgreichere war, steht doch außer Frage, oder?

LG stine
Benutzeravatar
stine
 
Beiträge: 8022
Registriert: Do 27. Sep 2007, 08:47

Re: FED (US-Notenbank)

Beitragvon 1von6,5Milliarden » Fr 11. Mär 2011, 08:30

stine hat geschrieben:
Nanna hat geschrieben:Der weltweite Trend zur Bildung immer größerer Staaten und Wirtschaftseinheiten scheint mir da auch Recht zu geben.
Das aber genau könnte ein kapitaler Fehler sein. Zentralismus in....

Ein größerer Staat muss nicht zu eine Zentralismus führen, der die Regionen niederbügelt. Auch wenn die Tendenz dazu vorherrscht. Macht versucht eben tendenziell sich zu verstärken.
Wenn du Deutschland (West) und Frankreich vor 1990 betrachtest, dann war da Frankreich relativ extremer Zentralstaat und Deutschland durchaus recht "dezentral". Der Nationalismus im Zuge der sogenannten Wiedervereinigung hat Deutschland aber ein gutes Stück zentralistischer gemacht. Dies lag aber nicht am Größenzuwachs.
Und Frankreich ist ein kleines bisschen weniger zentralistisch geworden (unabhängig davon, aber mit Vorbild BRD (alt)).
Theoretisch böte sogar gerade ein "demokratisches Europa" (EU) die Chance auf eine Stärkung aller Regionen.
Benutzeravatar
1von6,5Milliarden
Mitglied des Forenteams
Mitglied des Forenteams
 
Beiträge: 5236
Registriert: Sa 25. Nov 2006, 15:47
Wohnort: Paranoia

Re: FED (US-Notenbank)

Beitragvon Nanna » Fr 11. Mär 2011, 10:53

Schau dir die USA an, stine, da haben die Einzelstaaten sehr weitreichende Befugnisse. In Kalifornien beispielsweise verfolgt man schon seit Jahren eine völlig eigene Gesetzgebung. Die Regionen sollten meiner Meinung nach weitreichende Befugnisse erhalten, insbesondere im Bereich der Kulturpolitik. Aber das Verlagern von Außen- und Sicherheitspolitik auf die EU-Ebene würde definitiv Kosten sparen. Ein System zu konstruieren, das gut funktioniert, wäre durchaus möglich, die Frage ist nur, ob die historische Gelegenheit entsteht, ein solches zu etablieren. Wenn es zum chaotischen Zusammenbruch der Wirtschaft käme, wäre es natürlich so, wie Gandalf schon sagte, dass schwer vorherzusagen wäre, in welche Richtung die Situation kippt - auch wenn ich von einem Crash, der Staatlichkeit nachhaltig zerstört, nach wie vor nicht überzeugt bin.
Benutzeravatar
Nanna
Mitglied des Forenteams
Mitglied des Forenteams
 
Beiträge: 3338
Registriert: Mi 8. Jul 2009, 19:06

Re: FED (US-Notenbank)

Beitragvon stine » Fr 11. Mär 2011, 11:13

Du kannst das nicht mit den "vereinigten" Staaten vergleichen. Das EU - Konzept war von Anfang an darauf ausgelegt, regionale Vielfalt zu vereinheitlichen. So wie das mit den Wirtschafts- und Landwirtschaftsgütern geht, so wird es uns früher oder später auch mit der Staatsform gehen. Ein Berlusconi oder ein Sarkozy werden sich sicher finden, um das ganze dann ordentlich zu führen.
Ich bin kein EU-Gegner, wenn das jetzt so klingen sollte, aber ich finde in mancher Hinsicht knebelt die EU, die eben nicht vereinigten Staaten, schon ziemlich.

LG stine
Benutzeravatar
stine
 
Beiträge: 8022
Registriert: Do 27. Sep 2007, 08:47

Re: FED (US-Notenbank)

Beitragvon Nanna » Fr 11. Mär 2011, 11:27

Ich denke nicht, dass die Vereinheitlichung von Wirtschaftsstandards oder das Setzen im Bereich von Standards in der Lebensmittelsicherheit die regionale Vielfalt zerstört. Die EU schreibt ja nicht vor, dass die Bayern kein Boarisch mehr sprechen dürfen.
Benutzeravatar
Nanna
Mitglied des Forenteams
Mitglied des Forenteams
 
Beiträge: 3338
Registriert: Mi 8. Jul 2009, 19:06

Re: FED (US-Notenbank)

Beitragvon Arathas » Fr 11. Mär 2011, 11:29

Nanna hat geschrieben:Die EU schreibt ja nicht vor, dass die Bayern kein Boarisch mehr sprechen dürfen.


Leider! :mg:
Benutzeravatar
Arathas
Mitglied des Forenteams
Mitglied des Forenteams
 
Beiträge: 1177
Registriert: Do 19. Mär 2009, 11:58

Nächste

Zurück zu Gesellschaft & Politik

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste