Zappa hat geschrieben:Zur Wissenschaft:
Vollbreit hat geschrieben: Aber ist damit ein Staat zu machen? Das gibt ja nicht mal Werte her.
Ich denke, da unterliegst Du einem Fehlschluß (dem nicht-naturalistischen?

)
Ich bin fest davon überzeugt, dass eine Gemeinschaft, ein Staat, nicht so funktionieren soll und darf, dass Werte festgelegt werden und dann daraus eine Gesellschaftsordnung deduktiv zementiert wird. Solche Modelle, seien sie angeblich religiös oder materialistische begründet, sind alle mehr oder wendiger gescheitert. Dieser totalitäre Anspruch ist zutiefst illiberal und undemokratisch.
Ja, da bin ich großenteils Deiner Meinung, wobei ein weiser Führer auch Gutes bewirken kann, siehe unten.
Zappa hat geschrieben:Eine Gesellschaftsordnung sollte die Menschen erst mal so nehmen wie sie sind und natürlich sollte in einem vernünftigen politischen Diskurs festgelegt werden, welche Normen und Werte als Rahmenbedingungen gelten sollen.
Das sind natürlich wieder Aussagen, zu denen niemand „nein“ sagen kann, die aber auch entsprechend fleischlos sind. Irgendwann muss man ja mal den Anstoß machen, damit ein Spiel zustande kommt, alles Weitere kann und sollte verhandelt werden.
Zappa hat geschrieben:Dieser Diskurs findet immer im historischen Kontext statt und das Ergebnis ist aus der jeweiligen Sicht jedes Einzelnen immer suboptimal, s. aktuelle Situation in Ägypten, der politische Prozess an sich ist aber der, der sich am besten bewährt hat.
Ist ja an sich nicht schwer einzusehen, dass man selbst auch mehr profitiert, wenn es möglichst Vielen gut geht.
Zappa hat geschrieben:Ich würde mir für die Zukunft nur wünschen, dass die Bewertungsprozesse (werden die Normen und Werte gelebt, die Ziele erreicht?) wissenschaftlicher begleitet werden. Gutes Beispiel ist für mich die moderne Pädagogik, die endlich anfängt Zielkriterien zu definieren und deren Erreichungsgrad zu messen.
Gut, ich stehe da nicht an der Front, aber ich glaube, da ist nicht viel dran.
Okay, wenn Du allerneueste Entwicklungen meinst, da tut sich wohl wirklich was, ansonsten ist gerade die Schule für mich ein Beispiel für ausdauerndes Geschwaller, bei dem sich am Ende oft nichts tut.
Zappa hat geschrieben:Das ist ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung. Natürlich kann die Wissenschaft die Bildungsziele (analog zu den Werten ) nicht vorgeben, die müssen im gesellschaftlichen Diskurs ausgehandelt werden, aber halt messen ob die Ziele erreicht werden.
Inflationäres Abitur und der Trend zu Bestnoten im Ausverkauf, ist so eine Entwicklung, die auch nichts bringt, m.E., aber Du meintest eher die Methodik, oder?
Zappa hat geschrieben:Stell Dir mal vor, die Ägypter würden sich heute auf messbarer Zielkriterien für grundlegende Werte und soziale Ziele (Glücksindex), den die neue Verfassung ermöglichen soll, festlegen und bei Nichterreichen einen automatischen Revisionsprozess für die Verfassung vereinbaren. Wäre das nicht ein deutlicher Fortschritt?
Ja, aber ich glaube, dass das nicht geht. Man macht eben Demokratie auch nicht dadurch, dass man die Leute wählen lässt, sondern dass man ein demokratisches Bewusstsein schafft und das muss wachsen.
Zappa hat geschrieben:Ohne Wissenschaft wird ständig nur gelabert, beeinflusst, desinformiert, aufgehetzt und zur Not totgeschlagen. Das ist meine Meinung.
Na gut, das ist ne klare Meinung, die ich respektieren kann, aber mir ist nicht so richtig klar, woran Du das fest machst. Vielleicht bin ich was Schule angeht irgendwie voreingenommen – war nicht so meine glücklichste Zeit im Leben – aber was wären denn für Dich so Paradedisziplinen?
Ich meine, bei der Energiewende war es z.B. so, dass die Bundesregierung im Jahr vor Fukushima eine Studie zu den erneuerbaren Energien in Auftrag gegeben hat. Das Ergebnis der Studie war: Auf Erneuerbare umzusteigen ist überhaupt kein Problem, wenn man es ernst meint, geht das schon bis 2017 und zwar problemlos und schon mittelfristig mit deutlichen Vorteilen, auch finanzieller Art.
Mit diesem Wissen ist unsere Kanzlerin dann zu den vier Konzernchefs gegangen und sich dann von ihnen vorführen lassen und erst mal die Laufzeit für AKW verlängert. Da fühlt man sich doch gut regiert, wenn eine Naturwissenschaftlerin ihre eigens beauftragten Studien kaltlächelnd in den Wind schießt. Ich meine, nicht dass ich je was von Frau Merkel gehalten hätte, aber das ist ja ein anderes Thema.
Mit dem Bruttoinlandsglück, darauf spielst Du wohl an, das ist ne feine Sache, wenigstens vom Vorhaben her nahezu vorbildlich. Sind die Kagyüs, deren prominentester Vertreter im Westen Chögyam Trungpa ist, den ich immer nachdrücklich zu lesen empfehle. Ein spirituelles Genie.
Der Monarch des Landes hat die Monarchie dann gleich noch selbst abgeschafft, auch ein Schritt mit Weitblick.