Dissidenkt hat geschrieben:Du wirst aber den wahren, übergeordneten Sinn deiner Existenz niemals verstehen, wenn du deine Existenz nicht in das Gesamtsystem in dem du lebst einordnen kannst oder willst.
Kann sein - ich sehe da wirklich keinen "wahren, übergeordneten Sinn" und einbilden möchte ich mir so wenig wie möglich. Als Gesamtsystem reicht mir die globale Sicht auf den Planeten Erde (und auch da bin ich meist schon überfordert) - und der ist nur ein relativ unbedeutendes Staubkörnchen in unserer Galaxie - und die ist nur eine unter hundert Milliarden...
Dissidenkt hat geschrieben:ice hat geschrieben:Was würde sich deiner Meinung nach konkret ändern, wenn sehr viele Menschen dein beschriebenes Menschen- und Weltbild annehmen würden? Anders gefragt: Welches Potential siehst du darin?
Das Potential gesellschaftlicher Veränderung ist enorm. Das Welt- und Menschenbild ist mitentscheidend für die Organisation der Gesellschaft und den Umgang der Menschen untereinander. Die Auswirkungen durchzudeklinieren würde den Rahmen eines Forums sprengen. Kulturen, die an blutrünstige Götter glaubten, haben Menschen geopfert, Abrahamitische Religionen sind (neben ihren positiven Eigenschaften) rachsüchtig und erziehen die Menschen in Furcht und Aberglaube, rassistische Nationen haben ganze Völker ausgemerzt.
Grundsätzlich würden sich die Kommunikation und das Verständnis der Menschen untereinander verbessern, weil jeder wüsste, dass der andere eben nur so kann, wie er kann. Was darüberhinausgeht, Justiz, Bildungssystem, Herrschaftssystem, etc. würde Bücher füllen.
Ich habe so eine Antwort irgendwie erwartet und tue mir schwer darauf einzugehen. Trotzdem ein Versuch: Wenn einzelne Menschen für sich ein passendes Weltbild gefunden haben und es dann möglichst global verwirklichen wollen, ist das bis jetzt in der Menschheitsgeschichte immer schief gegangen. Ich will dir jetzt nichts unterstellen und weiß, wie du es wahrscheinlich meinst, weil ich ein ähnliches Weltbild habe wie du - aber alleine die idealistische Beschreibung, was sich alles zum Besseren ändern könnte, zeigt mir, dass du den Determinismus meiner Ansicht nach nicht wirklich ernst nimmst oder nicht konsequent genug anwendest. Wenn es nämlich wirklich wahr ist, dass alles determiniert ist, dann ist es die "Menschheitsentwicklung" auch - und kein Mensch, weder du noch ich oder sonst wer kann sich diese "Menschheitsentwicklung" vorstellen oder prognostizieren. Ich will damit sagen, dass es völlig offen für uns ist, wie sich die Menschheit global weiterentwickelt. Wir können uns da nur überraschen lassen. Was wir hingegen tun können, ist, an uns selbst und unserer Entwicklung zu arbeiten. Aber auch das ist bereits festgelegt in jeder Lebensgeschichte. Manche entwickeln sich eben nicht oder nicht so schnell wie andere. Jeder kann eben nur so, wie er kann - wie du selbst schreibst.
Dissidenkt hat geschrieben:Hast du den letzten Absatz in der wikipedia absichtlich unterschlagen?
Nein.
Dissidenkt hat geschrieben:Ich sehe durchaus einen Sinn darin, dem Leben einen Sinn zu geben, der über Trivilitäten hinausgeht und unsere Existenz im System Universum zum Fundament hat.
Unter Fatalismus verstehe ich die Haltung, dass alles determiniert ist und wir uns deshalb mit den Verhältnissen abfinden und das Leben so gemütlich wie möglich machen.
Ich denke, du siehst den Determinismus noch nicht hart/konsequent genug. Wer einen Sinn sucht, der ist dazu determiniert, einen Sinn zu suchen. Wer sich mit den Verhältnissen abfindet, ist dazu determiniert, sich mit den Verhältnissen abzufinden. Wer so gemütlich wie möglich leben will,... usw.usf. In letzter Konsequenz kann keiner etwas dafür, wie er lebt, denkt, fühlt und handelt.
Dissidenkt hat geschrieben:Auch wenn ich einen harten Determinismus vertrete, sehe ich einen Weg, dem Fatalismus zu entkommen und aus der Erkenntnis der eigenen Unfreiheit zur eigenen Befreiung zu gelangen. Was es dazu braucht ist nicht mehr oder weniger, als die Einsicht, dass wir unfreie Wesen in einer determinierten Welt sind. Wenn wir dies wahrhaftig erkannt und verinnerlicht haben, wenn wir verstanden haben, dass es Freiheit in einem absoluten Sinne nicht geben kann, dass sie ein Hirngespinst ist, dann muss man nur noch erkennen, dass es dennoch RELATIVE Freiheiten gibt. Relative Freiheiten sind deine physische Bewegungsfreiheit, deine psychische Freiheit im Denken, im Kommunizieren und deine relativen Freiheiten im Handeln. All diese relativen Freiheiten kann der Mensch aktiv erweitern indem er lernt, indem er sich also weiterentwickelt und aktiv an seiner eigenen Genese arbeitet.
Ich bestreite, dass es relative Freiheiten gibt. Wenn schon harter Determinismus, dann wirklich hart!
