Dr Fraggles hat geschrieben:Du stellst jeden der Einspruch gegen den k. Freiheitsbegriff erhebt, als Anfänger dar, der verständlicherweise sich noch daran gewöhnen muss. Wie oben bereits gesagt: ich würde langsam endlich Nägel (sprich: ad oculos Demonstration deiner Behauptung) mit Köpfen erwarten.
Vielleicht hast Du das tatsächlich schon zig mal hingeschrieben und denkst, ist wollte Dich irgendwie an der Nase herumführen.
Ich habe alle Deine Antworten an mich gelesen und einige, aber nicht alle, Antworten von Dir an andere. Vielleicht ist mir da etwas entgangen, was Du schon zig mal erläutert hast, aber ich weiß wirklich nicht, was das ist, was dringend belegt werden müsste, kannst Du es bitte noch einmal hinschreiben?
Dr Fraggles hat geschrieben:Bezüglich "technischem Freiheitsbegriff": dieser Einwand ist rein logisch gesehen falsch. Um etwas unzulänglich zu finden, muss man keineswegs eingestehen, dass deren Ursache behebbar sein muss (also in diesem Fall: einen sinnvollen indeterministischen Freiheitsbegriff=technischer Freiheitsbegriff in deiner Diktion).
Ja, aber man muss sagen können was man unzulänglich findet und warum.
Dr Fraggles hat geschrieben:So kann ich das Leid auf der Welt widerwärtig finden, auch wenn ich weiss, dass es nicht zu eliminieren ist.
Klar, aber auch hier würde ich Dich fragen, was Du als Leid betrachtest, damit ich weiß, worüber wir reden. Manche empfinden es als leidvoll, dass wir in einer entzauberten Welt leben, andere, dass es so viel irrationales Zeug gibt.
Deshalb, zum Beispiel.
Dr Fraggles hat geschrieben:Ebenso kann ich beklagen, dass kein sinnvoller Freiheitsbegriff denkbar ist, der mich tatsächlich frei entscheiden lässt (unter denselben Umständen etc.)
Moment, Moment, hier geht Du über eine möglicherweise entscheidende Stelle einfach hinweg.
Was willst Du sagen? Dass ein wahrer, besserer Freiheitsbegriff es zulassen müsste, dass man sich unter identischen Bedingungen anders entscheiden kann?
Falls ja, dann halte ich das für falsch und dann lass uns hier einhaken und die Lupe drauf halten, falls nein, gehen wir einfach weiter, bis der neuralgische Punkt gefunden ist.
Dr Fraggles hat geschrieben:...nicht um der Freiheit selber willen, sondern wegen der unzumutbaren Zuordnung von fehlendem Verdienst und Glück/Leid z.B.
Das habe ich nicht verstanden. Warum sollte man Glück oder Leid nicht zuordnen können? Wenn was genau der Fall ist?
Kann doch sein, dass ich mich nach bestem Wissen und Gewissen für etwas entscheide, mich geirrt habe und dann leide. Wo ist das Problem?
Dr Fraggles hat geschrieben:Mir bereitet nicht ein sinnloser Freiheitsgefühl an sich Wohlbefinden (aber, selbst wenn, wie kommst du dazu, bestimmen zu wollen, welche Vorstellungen Wohlgefühle auszulösen haben).
Darüber habe ich nicht geurteilt, nur darüber, dass es für die Begriffsbestimmung von „Freiheit“ keine Rolle spielt.
Ganz einfach, weil ich finde, dass dem kompatibilistischen Freiheitsbegriff zwar durchaus etwas zunächst Dröges anhaftet, was ich bereits zugestanden habe, sich dies aber in dem Moment in Luft auflöst, wo man das intuitive Unbehagen mit etwas, was rein rational daherkommt, näher benennen muss.
Wenn bei mir der Kniesehnenreflex ausgelöst wird, dann ist es zwar mein Unterschenkel der vorschnellt, aber ich handle nicht, gemäß philosophischer Definition einer Handlung, dass man nämlich willentlich und zielgereichtet etwas tut, von dem man sagen kann, warum man es tut. Ich bin auch nicht frei es nicht zu tun, da die Reflexe autonom sind.
Gestern hat mir jemand überraschend etwas zugeworfen, was ich spontan gefangen habe. Habe ich das bewusst gemacht? Nun, irgendwie schon, irgendwie aber auch nicht, viel Zeit zum Überlegen hatte ich nicht. So richtig frei war ich da auch nicht. War eine schnelle Reaktion.
Wenn ich in ein Glas bunter Bonbons greife und ein rotes herausziehe (es mir aber nicht darum ging ein rotes Bonbon, sondern einfach ein Bonbon zu bekommen), dann war das insoweit eine Handlung, dass ich zielgerichtet in das Bonbonglas gegriffen haben, aber die Wahl des rotem Bonbons war zufällig. (Ich könnte aber auch, wenn es mir wichtig wäre, zielgerichtet nach einem roten Bonbon greifen, etwa, wenn ich die roten Bonbons besonders gerne essen würde.)
Soll bis hierher heißen: Nicht alles, was wir tun, tun wir klar und bewusst, einiges ist unbewusst, manches „Halbautomatik“ (Routine“handlungen“), einiges überlassen wir dem Zufall, weil es uns egal ist, einiges überlassen wir bewusst dem Zufall, etwa, wenn wir eine Entscheidung von einem Münzwurf abhängig machen (was wir dann aber zielgerichtet und bewusst tun).
Aber, es gibt auch Entscheidungen im Leben, bei denen wir wirklich, innehalten, abwägen und reflektieren, uns Rat holen und so weiter. Vielleicht gehen wir auch zum Astrologen oder warten auf einen Traum, der uns den Weg weist, aber auch diese Elemente flechten wir dann bewusst ins rationale Sprachspiel ein und gewichten sie, nach unseren persönlichen Vorlieben. Und doch können wir am Ende mit Fug und Recht behaupten, wir hätten frei entschieden, warum denn nicht?
Was fehlt hier zur Freiheit?
Und wenn ich mich irre, dann stehe ich selbstverständlich in der Verantwortung, wer denn sonst?
Wenn ich denke: Was bin ich nur für ein dröger Erbsenzähler, hätte ich nur meinem Traum in der Nacht vertraut, dann ist das mein Versäumnis (auch dann, wenn determiniert war, dass ich dem Traum nicht trauen würde).
Wenn ich denke: Was war ich für ein Trottel, auf diesen dummen Astrologen zu hören, hätte ich mich nur nicht bequatschen lassen, dann ist das mein Versäumnis (auch dann, wenn determiniert war, dass ich dem Astrologen trauen würde).
Möglicherweise mache ich das beim nächsten mal anders und auch wenn das bereits feststünde,
ich muss entscheiden,
für mich ist es eine Fahrt ins Ungewisse, immer wieder, denn ich habe die Gottesperspektive nicht zur Verfügung.
Dann gibt es natürlich noch die psychologischen Grenzfälle, bei denen nicht klar ist, ob man frei oder unter „Zwang“ handelt.
Das ist vor allem dann der Fall, wenn ich meine, ich sei der aktiv Handelnde und gute Gründe für das, was ich tue angebe, aber andere wissen (oder mit sehr guten Gründen ahnen) dass da was faul ist. Im Grunde agiere ich dann zwar frei (im Sinne des Kompatibilismus) bin aber im Irrtum bezüglich meiner wahren Motive.
Die Palette ist sicher noch breiter, aber das mal, um Tun und Handeln etwas aufzufächern.
Dr Fraggles hat geschrieben:Mir bereitet aber Unwohlgefühl, dass die einen, ohne dass ihr Ich es anders hätte lenken können, zum Leiden verurteilt sind und andere, ohne dass ihr Ich es hätte anders hätte lenken können, sich auf der Sonnenseite des Lebens befinden. Wer sich daran nicht stört, hat mein Verständnis mit Sicherheit nicht.
Da irrst Du Dich.
Denn damit unterstellst Du, der Urteilende hätte die Gottesperspektive zur Verfügung, aber auch das ist nicht der Fall.
Es urteilen (bezüglich dessen was kommen wird) Unwissende über Unwissende, eben darum müssen wir ja begründen, warum wir glauben, dass …
Ansonsten bräuchte man ja nur zu sagen, wie es ist. Das weiß aber keiner.
Dr Fraggles hat geschrieben:Dr Fraggles hat geschrieben:Was fehlt??? Nimm die Tomaten von deinen Augen und LIES was ich geschrieben habe. Mir fehlt am kompatibilistischen Freiheitsbegriff etwas sehr Wesentliches was zum Menschseinanspruch gehört, ...
Okay, aber was?
Siehe obige Antwort (um nur eines, aber ein wichtiges zu nennen).
Ja, die habe ich verstanden und nach zu beantworten versucht.
Dr Fraggles hat geschrieben:Dr Fraggles hat geschrieben:Dumm und Schade nur, dass du dich auf diese Idee fixiert hast (weil er so offensichtlich unlösbar ist).
Ich habe mich nicht darauf fixiert, wenn Du mir zweigen kannst , wie oder durch was Zufalle oder Willkür die Freiheit vergößern, ich das verstehe und überzuegend finde, dann sattle ich auch wieder um.
Schenke Erbarmen!!!

Im Ernst: willst du mich nicht begreifen oder kannst du nicht?
Ich will Dich schon verstehen, in Ansätzen gelingt es ja.
(Und auch etwas weniger Theatralik wäre angenehm.)
Dr Fraggles hat geschrieben:Deine Fixierung besteht darin, dass du Angriffe auf den Kompatibilismus permanent mit der Alternative Inkompatibilismus assoziierst.
Liegt ja irgendwie auch nahe, aber wo wäre das Problem? Es geht doch eher um die Argumente.
Dr Fraggles hat geschrieben:Aber wenn du LESEN WÜRDEST was ich schreibe, dann müsstest du längst realisiert haben, dass der Einwand nichts damit zu tun hat (ich selber bin Determinist, den der komp. Freiheitsbegriff bezogen auf meine Vorstellung wie Dinge, Konstellationen sein sollten, nicht umfassend befriedigen kann, und DAS ist der Einwand!).
Man kann Determinist und Inkompatibilist sein, wo ist das Problem? Das ganze Neurozeugs kommt ja aus der Ecke.
Inkompatibilismus ist nicht zwingend Libertarismus sondern kann eben auch ein determistischer Inkompatibilismus sein, den Du vielleicht vertrittst, ohne zu wissen, dass es sich dabei um Inkompatibilismus handelt.
Aber ich will Dich gar nicht darauf festnageln, mir ist nicht wichtig, welche Position Du vertrittst, sondern, wie Deine Gegenargumente sind.
Dr Fraggles hat geschrieben:Dr Fraggles hat geschrieben:Dass übrigens das nicht-Wissen (je grösser die Bandbreite möglicher Handlungen um so mehr) um künftige Entscheidungen sich dem Zufall annähert, ist dir wohl entgangen.
Ich finde, die Zahl der Optionen spielt kein größere Rollen, ob ich zwischen 2 oder 200.000 potentiellen Alternativen wählen kann, am Ende bleibt, dass Ich mich entscheide und dazu begründet stehen kann.
"Ich finde": schon falsch. Hier geht es um Wahrscheinlichkeit und nichts anderes (und inwiefern und ob kleinste Wahrscheinlichkeiten etwas mit Zufall gemeinsam haben) .
Ja und bei der Frage nach dem Freiheitsbegriff der Kompatibilisten, geht es um schnöde Logik.
Begriffsbestimmung von Determinismus und Freiheit, schauen, ob die sich logisch in die Quere kommen, mit dem Freiheitsbegriff der Kompatibilisten tun sie das nicht, also folgt der Schluss, dass die beiden einander nicht ausschließen. Man kann auch rote Haare haben und evangelisch sein, das kommt sich auch nicht in die Quere.
Dr Fraggles hat geschrieben:Aber demonstrieren tust du eines schon: dass deine Argumente nicht nur rational sind, sondern der kompatibilistische Freiheitsbegriff dir einfach ganz gut in den Kram passt (sprich deinen Werten, deinen Bedürfnissen genügt).
Nein, denn wie ich langatmig ausführte, passt mir der kompatibilistische Freiheitsbegriff nicht sonderlich in den Kram, er ist mir eher unsympathisch und zweitens glaube ich auch nicht, dass die Welt in diesem strengen Sinne determiniert ist.
Aber weder geht es dabei um meine persönlichen Vorlieben, noch ist es relevant, ob ich an diesen 100%igen Determinismus glaube, der Kompatibilismus ist ein Gedankenexperiment, was einem „was wäre, wenn...“-Frage klären will, das geht nur logisch und meines Erachtens klärt.
Wäre die Welt zu 100% determiniert (woran ich nicht glaube), dann wäre es logisch möglich, dass der Mensch frei Entscheidungen trifft, wenn man unter Freiheit versteht, ohne inneren und äußeren Zwang, das hast Du ja sehr schön dargestellt, gemäß der eigenen Prämissen abzuwägen und reflektierend zu urteilen und also rational zu urteilen.
Das ist die Geschichte.
Wem sie nicht passt, der kann sie korrigieren, aber die Karten der Kompatibilisten liegen offen auf dem Tisch.
Dr Fraggles hat geschrieben:Nur: damit ist der kompatibilistische Freiheitsbegriff nicht schon hinlänglich (also bezüglich umfassenderen Bedürfnissen) begründet, das dürfte wohl evident sein.
Mag sein, wenn Du noch verrätst, welche umfassenderen Bedürfnisse Dir da vorschweben.
Dr Fraggles hat geschrieben:Im Gegenteil: umfassend gerechtfertigt wäre er nur wenn er JEDES Bedürfnis abdecken würde.
Warum?
Wenn ich Pizza bestelle und kriege, habe ich bekommen, was ich wollte, wenn meine Traumfrau einen anderen anderen hat, ist das schade, besagt aber nur, dass nicht alle meine Wünsche in Erfüllung gehen. Da vermutlich nie restlos alle meine Wünsche in Erfüllung gehen, wäre das Thema Freiheit damit gegessen, aber warum es zur Freiheit meiner Entscheidung welchen Beruf ich ergreife, gehören soll, dass dies davon abhängt, dass ich im Alter nicht dement werde (also: für die Erfüllung einiger Wünsche, die Erfüllung aller Wünsche eine notwendige Bedingung sein soll) kann ich nicht erkennen.
(Nebenbei kann ich auch dann aus freien Stücken etwas wollen, wenn der Wunsch nicht in Erfüllung geht.)
Dr Fraggles hat geschrieben:Und da nicht alle meine Ansprüche an die Rationalität der Verhältnisse durch diesen Freiheitsbegriff gedeckt sind, ist er faktisch nicht als umfassend genügender Freiheitsbegriff gerechtfertigt (hier gibt es nicht nur formal eine Parallele zur Theodizee).
Es verläuft nicht alles rational, klar.
Aber muss das gegeben sein, damit Du einen freien Willen hast? Du kettest den Begriff der Freiheit an den Allmacht (oder mindestens allumfassende Wunscherfüllung), aber dazu besteht logisch keine Notwendigkeit.
Weder muss man allwissend, noch allmächtig sein (noch muss alles, was man wünscht eintreffen), um frei zu sein.
Dr Fraggles hat geschrieben:Hm, da spüre ich doch wieder etwas an Sympathie in mir hochsteigen. Es ist nicht das Bedürfnis nach einer indeterministischen Freiheit an sich, welche ich vermisse. Es geht darum, wie oben schon angedeutet, dass z.B. Glück und Leid auf dieser Welt dermassen unterschiedlich verteilt sind, und dass diese Tatsache für mich im Grunde unerträglich wäre (wenn ich nicht wie jeder permanent zur Seite schieben, verdrängen würde oder schlicht resigniert hätte) angesichts dessen, dass niemand etwas dafür kann, es keine wirkliche Wahl gibt. Der Böse lebt im Glück und der Gute im Leid um es sehr plakativ-ideologisch zu formulieren (aber irgendwie muss ich es dir verständlich machen können...).
Zwar geht es dabei m.E. weder um Sympathie, noch um moralische Irritationen – die ich nachvollziehen kann – aber ich kann Dich, was diese Punkte angeht umfassend beruhigen. Weder AgentProvocateur, noch Nanna (soweit ich für die beiden sprechen kann, aber ich bin mir da recht sicher) und ganz sicher auch ich, sind der Meinung, dass man sich mit einem kompatibilistischen Freiheitsbegriff aus der Verantwortung stehlen kann.
Ganz im Gegenteil glaube ich, dass man allein dadurch, dass man begründen kann, was man tut und dadurch, dass Begründungen uns normativ festlegen überhaupt erst in der Verantwortung steht und stehen kann. Der Hund kann nichts dafür, wenn er die teure Vase umwirft (denn er kann den Wert der Vase nicht bemessen), sagt man uns diese Vase sei jemandem monetär und emotional lieb und teuer, ist das sofort (auch wenn nicht explizit gesagt) ein Appell, sorgsam mit dem Ding umzugehen. Und das versteht auch jeder.
Dr Fraggles hat geschrieben:Ich möchte diese Kritik nur verstehen und mir ist bisher klar, dass Du meinst, dass etwas durchaus Wesentliches fehlt, nicht verstanden haben ich, was dieses Wesentliche sein soll.
Falls du es immer noch nicht verstanden hast, werde ich mich um weitere Beispiele bemühen. Und nichts für ungut!
Kein Problem, kann sein, dass wir der Lösung näher kommen und Du hast ja andererseits bei ganimed eine Erkenntnistür geöffnet, das wird schon.