Detailkritik folgt:
ujmp hat geschrieben:Das denkst du bloß. Weißt du was ein "Steintulp" ist? Wenn ich dir sage "Ein Steintulp ist steinig und tulpig, das sagt doch schon die Semantik." hilft dir das nicht sehr weit.
Ein "Steintulp" ist in etwa so aussagekräftig wie ein "Backfisch". Dabei ist "Backfisch" als veralteter Begriff für eine junge Göre noch definiert, "Steintulp" dagegen völlig der freien Fantasie überlassen.
ujmp hat geschrieben:"Tautologie" ist eigentlich ein Begriff aus der Rhethorik und bedeutet abwertend, das man sich wiederholt ohne weitere Informationen zu geben. [...] Dass Mathemathik eigentlich "nur" aus Tautologien besteht, beweist m.E. dass sie eigentlich "nur" eine Sprachkonvention ist,
Mathematische Tautologie verstehe ich auch so.
1 + 1 = 2; dabei lernen wir nichts Neues, weil links dasselbe steht wie rechts. Ist aber auch ein triviales Beispiel. Es gibt auch nicht-triviale Fälle, aus denen wir Neues lernen, wenn wir die Sprachkonventionen richtig anwenden.
a/b <> wurzel(2)
-1 = e^(i*pi)
Das waren zu ihrer Zeit völlig überraschende Ergebnisse. Es ist nicht so, daß diese Ergebnisse beabsichtigt waren. Trivial sind sie auch nicht. Insofern verwende ich den Begriff "Tautologie" auch nicht abwertend.
ujmp hat geschrieben:Dass Mathemathik eigentlich "nur" aus Tautologien besteht, beweist m.E. dass sie eigentlich "nur" eine Sprachkonvention ist, aber nichts Wirkliches darstellt.
Ich will's mal umdrehen: hast du schon Wirkliches gesehen, daß sich nicht mathematisch darstellen läßt?
Um ein Gegenargument gleich mitzuliefern: nicht mal der Fall eines irregulären Körpers in Luft läßt sich in mathematisch geschlossener Form darstellen.

ujmp hat geschrieben:Darin sind zwei Fragen: a) ist es ein Naturgesetz, dass unter 36 möglichen Kombinationen nur eine ist die Eins-Eins lautet. Diese Frage ist qualitativ das selbe wie "Ist es ein Naturgesetz, dass 1+1 = 2 ist?" Ich würde sagen, Nein.
Demnach wäre Benfords Gesetz eine mathematisch-formale Aussage, ebenso wie die Selektionstheorie und der zweite Hauptsatz. Ich stimme dir zu, daß diese keine "richtigen" Naturgesetze sind, trotzdem scheinen sie grundlegend mit der Wirklichkeit verbandelt. Der zweite Hauptsatz und Evolution(Selektion) sind Paradebeispiele für Naturgesetze. Irgendwas passt da nicht in unserer Trennung von formaler Logik und praktischer Wissenschaft.
Ich befürchte, unser Vokabular/unsere Semantik ist noch nicht ausgereift genug, um die Schnittstellen zwischen Logik, Mathematik, Physik, ..., Biologie, Psychologie, Soziologie hinreichend dingfest zu machen.
Ist es nicht erstaunlich, daß Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Börsenzusammenbrüchen das selbe Muster zugrundeliegt?
ujmp hat geschrieben:b) Was ist Zufall? Ist der Zufall gesetzmäßig? Murray Gell-Mann spricht von Gesetz und Zufall. Super interessante Fragen, hab aber grad keine Zeit mehr...
Mathematischer Zufall ist halt, siehe oben, eine Tautologie. Wenn wir sagen der Würfel fällt mit p = 1/6 auf die Eins, dann hat man die günstigen mit den möglichen Fällen verglichen. Soll heißen: man hat den Würfel 6 000 000 mal geworfen und 1 000 0023 fiel er auf die gesuchte Augenzahl. Deshalb (mit Rundung) 1 000 023 günstige Fälle / 6 000 000 mögliche Fälle ) = 1/6.
Ob die Abweichung um 23 in meinem Phantasiebeispiel systematisch oder zufällig ist, darüber darf man streiten.

