ujmp hat geschrieben:Nicht so schnell! Es ist m.E. unangemessen in dieser Weise an den Sinnen zu zweifeln. Die Striche wurden ja auch von allen Teilnehmern richtig eingeschätzt - ein paar von ihnen haben aber gelogen!
ujmp hat geschrieben:Unsere Sinnesorgane sind hauptsächlich durch eine Realität geprägt in einem sehr langen Prozess seit unsere Vorfahren noch Fische waren. Unser Organismus ist schon eine Funktion der Außenwelt, wenn auch keine "eineindeutige".
ujmp hat geschrieben:Vollbreit hat geschrieben:ujmp hat geschrieben:Die Duhem/Quine-Hypothese verschiebt dieses Problem nur auf eine andere Ebene, in dem sie schlicht feststellt, dass manche Probleme zu komplex für uns sind. Die Logik der Forschung bleibt offensichtlich dieselbe.
Nein, das sagt die Duhem-Quine-These eigentlich nicht.
In ihr geht es darum, dass eine Theorie eben nicht erledigt ist, wenn der erste schwarze Schwan vorbeikommt, d.h. wenn ein einzelner Satz der Theorie widerlegt ist, sondern in ihr wird gesagt, dass es auch dann noch richtig sein kann, dass einige Schwäne weiß sind, wenn der erste schwarze Schwan vorbeikommt.
Eine Theorie besteht in aller Regel nicht aus einem Satz, sondern aus einem Geflecht von Sätzen, Umständen, Bedingungen, die man allesamt betrachten muss. Die Theorie kann auch stimmen, wenn einzelne Sätze falsch sind.
Ich glaube dass du das missverstehst. Wenn die Theorie lautet, dass alle Schwäne weiß seien ist diese Theorie in ihrem unmittelbarem Verständnis widerlegt, sobald ein Schwarzer Schwan beobachtet wird.
ujmp hat geschrieben:Man kann die Falsifikation leugnen, indem man a) bestreitet, dass die Beobachtung richtig ist oder b) dass ein Schwan per Definition weiß ist und ein schwarzer Vogel kein Schwan sein könne. Dies sind aber Probleme, die die Logik der Erkenntnis nicht betreffen.
ujmp hat geschrieben:Es macht auch logisch keinen Unterschied, ob eine Theorie aus einem oder vielen Sätzen besteht. Wenn sie zu falschen Vorhersagen führt, ist sie falsch und wird verworfen oder modifiziert. Dann heißt es eben "90% aller Schwäne sind weiß".
ujmp hat geschrieben:Und es geht letztlich nicht um "Aussagen", sondern um gelöste Probleme.
ujmp hat geschrieben:Ein Krebskranker kann dir genau sagen, was sein Problem ist und was er als Lösung akzeptieren würde. Wenn er durch Handauflegen geheilt werden kann, so wie man überzeugt werden kann dass gleichlange Striche ungleich sind, dann prima. Das klappt aber nicht und die Hanfaufleger müssen vermutlich nicht nur einen Satz ihrer Theorie überdenken.
ujmp hat geschrieben:Du wirst lachen, ich bin selbst 10 Jahre meines Lebens tief religiös gewesen und kenne ganz viele Menschen wie diese koreanische Frau aus nächster Nähe und weiß, was sie erzählen würde. Deshalb bin ich der Letzte, der Christen als Idioten hinstellen wird. Ich prüfe meine Meinungen z.B. indem ich mit dir diskutiere! Bis jetzt hast du mich aber noch nicht ins Schwitzen gebracht!
Vollbreit hat geschrieben:ujmp hat geschrieben:Nicht so schnell! Es ist m.E. unangemessen in dieser Weise an den Sinnen zu zweifeln. Die Striche wurden ja auch von allen Teilnehmern richtig eingeschätzt - ein paar von ihnen haben aber gelogen!
Ja, aber wo beginnt die Lüge und was ist noch Interpretation? Hast Du Zugang zur Welt der Zecken, der Viren, der Bienen, der Schlangen, der Rinder, der Hunde, der Fledermäuse?
Und auch im Menschenreich: Es gibt einen Mainstream, der unsere Wahrnehmungen prägt. Weicht man von ihm ab, ist man dann schon ein Lügner?
Vollbreit hat geschrieben:ujmp hat geschrieben:Unsere Sinnesorgane sind hauptsächlich durch eine Realität geprägt in einem sehr langen Prozess seit unsere Vorfahren noch Fische waren. Unser Organismus ist schon eine Funktion der Außenwelt, wenn auch keine "eineindeutige".
Ja, so ist die naturalistische Interpretation der Geschichte. Der Realitätsbegriff ist so schwer festzumachen, wie der Gottesbegriff. Oft wird getrennt in Realität, als etwas uns prinzipiell unzugängliches und Wirklichkeit als unser Welterleben, auf das wir uns sozial einigen können.
Vollbreit hat geschrieben:Dann hast Du gerade mal eben das Pferd im Galopp gewechselt.
Nur Aussagen können überhaupt logischen Wahrheitsgehalt beanspruchen.
ujmp hat geschrieben:Ein Krebskranker kann dir genau sagen, was sein Problem ist und was er als Lösung akzeptieren würde.
Vollbreit hat geschrieben:Spontanremission. Selten, aber sie kommen vor. Warum so viele darüber die Nase rümpfen, statt zu versuchen den Mechanismus zu verstehen, finde ich eher merkwürdig, aber das ist eben Kuhn in der Praxis: Ignorieren, verspotten, nicht zur Kenntnis nehmen. Forscher, die sich genau dafür interessieren als Pseudowissenschaftler, plötzlich und unerklärlich Verirrte, Esoteriker oder Spinner zu diskreditieren und ihre Heilungen als lächerliche Anekdötchen.
laie hat geschrieben:
Es tauchte die Frage auf, ob denn der Glaube ebenso wie die Wissenschaft einem inhärenten Reinungsprozess unterliegen würde, wie ihn Popper in "Logik der Forschung" skizziert hatte. Man kann mit guten Gründen bestreiten, daß Wissenschaft so funktioniert, wie Popper es dargestellt hatte. Nach Kuhn werden die entscheidenden Fortschritte (die Paradigmenwechsel) dadurch erzielt, dass die alten, verbohrten Wissenschaftler einfach aussterben.
laie hat geschrieben: Die Theologie ist eine Wissenschaft, zu deren Forschungsfeldern die Dogmatik, die Kirchengeschichte, die Bibelexegese, die Fundamentaltheologie gehört.
laie hat geschrieben:Ja, aber was ist mit dem Glauben an Gott selbst? Der wird ja gar nicht in Frage gestellt! Stimmt: er wird so wenig in Frage gestellt wie die "Realität" vom Naturwissenschaftler oder das "Recht" vom Juristen.
Vollbreit hat geschrieben:Du bastelst Dir vermutlich die Welt zurecht, die Dir behagt, das tust Du wie jeder andere und ich würde Dich dafür nicht verurteilen. Anstrengend ist nur, wenn jemand meint, er würde das nicht tun, sondern sei zwischenzeitlich zur Wahrheit durchgedrungen.
Vollbreit hat geschrieben:Hallo ujmp,
ich freue mich darauf, die Diskussion fortzusetzen, bin nur jetzt einige Tage offline, aber eine Antwort kommt.
Angenehme Woche.
ujmp hat geschrieben:Popper hin, Kuhn her - lasst uns doch mal über unsere eigenen Gedanken reden! So maßgeblich ist Kuhns Popperkritik nun auch wieder nicht! Man kann von beiden allemal etwas lernen, wenn man sich mit ihnen wirklich auseinandersetzt.
ujmp hat geschrieben:Meine Religiösität war ein Realitätsfluchtversuch. Ich habe sehr viel Anlass, die Realität nicht zu mögen. Ich hab nach einer anderen Realität gesucht. Es gibt aber nur die eine Realität und man kommt, wenn man an ihr teilnehmen möchte, am besten mit ihr klar, wenn man sich ihr anpasst oder sie verändert, aber nicht, indem man vor ihr flieht. Religion ist wie Alkohol: Du kannst deine Probleme damit wegsaufen, aber am nächsten Morgen sind sie wieder da - plus dem Alkoholproblem. Die Feststellung, dass es einfach nicht stimmen kann, was die Bibel und meine Freunde und viele sehr liebe Menschen sagen, war ein eher unbehaglicher Prozess. Ironischerweise bin ich zur Wissenschaftstheorie gestoßen, weil ich überzeugt war, dass die Bibel mit der Wissenschaft vereinbar wäre und ich wissen wollte, was man unter "Wissenschaft" versteht. Konsequenterweise meine ich nicht zu einer Wahrheit durchgedrungen zu sein, sondern zu einer Falschheit - der meiner einstigen Religion. Ich hab das sozusagen experimentell festgestellt.
ujmp hat geschrieben:Also, mal schön langsam, lass dir nicht alles als Wissenschaft unterjubeln. Kirchengeschichte? Könnte gehen - könnte, aber wenn man die lächerlichen Versuche ansieht, den Aufenthalt Petrus' in Rom nachzuweisen, da würde ich doch lieber von Propaganda reden. Bibelexegese? Nein, das sagt ja schon der Name! Dogmatik? Schon gar nicht, so was nennt man im wirklichen Leben "Ideologie"
Lumen hat geschrieben:Religiöse Texte sind unter bestimmten historischen Umständen entstanden und enthalten genau den Inhalt, den die Leute zu der gegebenen Zeit in der Lage waren, abzubilden. Dabei können bestimmte Weisheiten eingeflossen sein, die zeitlos sind. Das war es aber auch.
Albert Keller hat geschrieben:Dann hätte man die Schrift im Sinn falscher Religion als ”heilig“, als Tabu absolut erklärt, wie es manche Fundamentalisten (wie im Islam dem Koran gegenüber) auch heute noch wollen, und übersähe, dass jede Schrift unvermeidlich Menschenwort ist - sonst würde sie nicht
verstanden -, also sprachabhängig und daher zeitbedingt und deutungsbedürftig. (Keller, A. 2010. Grundfragen des Glaubens. Herder)
laie hat geschrieben:Doch, die Kritik an Popper, die man Kuhn entnehmen kann, ist sogar sehr maßgeblich. [...] Daß dich [gemeint ist ujmp] nur ideologische Gründe umtreiben zeigt sich daran, daß du, wenn es sich anders verhalten sollte, auch die Germanistik oder Romanistik ausschließen müsstest. Das tust du vermutlich nicht. Du kennst weder die Forschungen auf dem Gebiet der Dogmatik noch auf dem der Bibelexegese, masst dir aber Urteile an, die sich alle aus deiner falschen, überwundenen Religiosität speisen. [...]Albert Keller hat geschrieben:[...] und übersähe, dass jede Schrift unvermeidlich Menschenwort ist - sonst würde sie nicht verstanden -, also sprachabhängig und daher zeitbedingt und deutungsbedürftig [...]
Lumen hat geschrieben:Du kannst auch gerne offen sagen, was du sagen willst und es kann dann vernünftig diskutiert werden.
laie hat geschrieben:Der entscheidende Punkt ist doch der: warum sollte jemand Atheist werden? Weil es ach so vernünftig in der Wissenschaft zugeht? Lächerlich. Dann kann er auch Theologe werden. Die Sätze, die sich auf den Glauben beziehen, müssen ebenso geprüft und ggf. aus Vernunftsgründen revidiert werden, wie die, die sich auf die Realität beziehen. Unverstandenes kann man nicht für wahr halten.
Lumen hat geschrieben:Du bewegst dich im Prinzip im Fahrwasser von William Lane Craig, Discovery Institute, der Intelligent Design Bewegung und Evangelikalen, die eine ganz klare Agenda, beziehungsweise Mission verfolgen.
lumen hat geschrieben:es aber mit einer implizierten "Wissenschaften — Religion" Dichotomie zu machen ist "Hitlers — Autobahn" mäßig (d.h. möglicherweise hat Hitler tatsächlich Autobahnen gebaut, da die sachliche Information durch die Implizierung überstrahlt wird, kann kein Mensch der noch bei Trost ist, damit ankommen, es sei denn in einem sehr spezifischen Zusammenhang). Man könnte das auch netter mit Äpfel mit Kieselsteinen vergleichen umschreiben, wenn man den Kontext mal weglässt. Der Kontext ist aber für brights (bzw. Atheisten) wichtig. In einem Kieselstein Thread kann man über die Besonderheiten von Kieselsteinen diskutieren, in einem Thread zu Äpfeln über das für- und wider verschiedener von Apfelsorten. Beides zusammen geht nicht, oder nur unter Berücksichtigung der Tradition und Kontexte.
laie hat geschrieben:[...] Die ID Bewegung versucht, die "innerweltliche Kausalität", [...]
Aber in deiner Atheistenwelt muss wohl jeder Nicht-Atheist gleich ein evangikaler IDler sein.
ich hat geschrieben:Genau das ist in meinen Augen ein falsches Gottesbild, aber darauf habe ich nicht nur hier, sondern auch in anderen threads hingewiesen und es deutlich gemacht, so etwa, wenn ich Gott einen handelnden Willen absprach.
lumen hat geschrieben:Nein, aber in meiner Atheistenwelt versuchen Theisten ständig die Beweislast umzukehren, während ihr Glaube sicher positioniert und unanfechtbar im Hintergrund gehalten wird. Das ist irgendwann nicht mehr witzig. Nach Sachlage müssten eigentlich alle Menschen die halbwegs bei Trost sind, eingedenk der religiösen Behauptungen laut loslachen. Aber das wurde bisher gekonnt verhindert.
laie hat geschrieben:
Warum ist das so wichtig? Weil es zeigt, daß die Wissenschaft als ganzes kein rationales Projekt ist.
laie hat geschrieben:
Wem lastest du deine falsch verstandene Religiosität an? Echte Religiösität ist niemals identisch mit Realitätsflucht.
Zurück zu Religion & Spiritualität
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste