von Zarathustra » So 13. Jan 2013, 18:20
@mat-in
Staatliche, herrschaftliche, supragemeinschaftliche, grosskollektivistische, staatlich-mafiöse Strukturen gibt es nicht seit es Menschen gibt, sondern erst in dessen jüngsten Phase, den letzten rund 10'000 Jahren, dem sogenannten Pyrozän, der Epoche der systematischen Vernichtung von Flora und Fauna.
Davor wurde nicht gewirtschaftet, sondern autark in Subsistenz gelebt und das Gesammelte innerhalb der Solidargemeinschaft geteilt. Das Sammeln von Nüssen für den Eigenbedarf hat nichts mit Markt, Ueberschuss-Wirtschaft und systematischer Verschuldung/Verguthabung samt Abgabe an die Obrigkeit, Zins und Zinseszins zu tun. Dies ist eine völlig andere, neue Struktur, in welcher der Eine hundert- oder tausendmal mehr hat als der Andere. Bei den Penan stapelt niemand Guthaben und Schulden wie blöd, weil es dazu schlicht und einfach keine Notwendigkeit gibt. Nur wer Tribut für ein anonymes, unersättliches Gebilde erwirtschaften muss, muss stets wachsende Ueberschüsse erwirtschaften, weil er bereits mit einer Schuld startet, die immer weitere gegenseitige Verschuldung nach sich zieht und sich durch den Zins von selbst vermehrt, bis es knallt. Und jetzt knallt's dann halt wieder mal.
@provinzler
Der Krieg (warfare) ist eine postneolithische, patriarchale Erscheinung. Das zeigt sich auch in der Kunst. Paläolithische Kunst zeigt auf Felsbildern keinerlei Hierarchie-Darstellungen und Gewalt gegen Artgenossen. In der postpaläolithischen, zivilisierten Kunst (Aegypter, Sumerer, Griechen, Römer, Atzteken etc.) dagegen strotzt die Kunst nur so von Gewaltdarstellungen gegen Artgenossen.
Zitat aus einem Vortrag von Prof. Joachim Bauer:
Die neolithische Revolution bedeutete den Eintritt des Menschen in die
zivilisatorische Welt. Sie bedeutete nicht nur die Erfindung des Eigentums und der
Erwerbsarbeit, sondern den grundlegenden Einzug des ökonomischen Prinzips in
das menschliche Zusammenleben. Der Mensch wurde, nachdem er zu einer
Arbeitskraft und damit Teil eines ökonomischen Kalküls geworden war, nun selbst
zur Ware, was logischerweise zur Folge hatte, dass Menschen begannen, Macht
über andere Menschen auszuüben.
Prof. Dr. Jürg Helbling, Ethnologe:
Weshalb entstand der Krieg als spezifische selektive Umwelt? Als gesichert gilt, dass in
Wildbeutergesellschaften, in welchen die Menschheit über rund 95% ihrer bisherigen
Geschichte organisiert war, keine Kriege geführt werden. Das ist auch deshalb bedeutsam,
weil die Soziobiologie die These vertritt, dass das menschliche Sozialverhalten von einem
Bioprogramm gesteuert werde, das sich mit der Evolution des Homo sapiens
herausgebildet habe und Resultat seiner Anpassung an die Umwelt des Altsteinzeit (vor
180'000 bis 15'000 Jahren) sei, während welcher Menschen ausschliesslich in
Wildbeutergruppen lebten (Wilson 1975).
Literaturtipps; da ist das alles fein säuberlich beschrieben und recherchiert:
David Graeber: Debt: The First 5,000 Years.
Paul C. Martin: Der Kapitalismus – ein System, das funktioniert!
Gerhard Bott: Die Erfindung der Götter