Denker hat geschrieben:Warum ist ein „Wirtschaftsweiser“ für Mindestlöhne und ein anderer dagegen?
Ich nehme das mal als Aufhänger und gehe davon aus, dass sowohl ich als auch der Autor des beworbenen Buches im Gegensatz zu den Wirtschaftsweisen keine Wirtschaftswissenschaftler sind.
Nun, der eine Wirtschaftsweise wird zu einer anderen Schlussfolgerung gelangen als der andere, weil er eine andere Ausbildung genossen hat, dazu noch ein paar eigene Ideen angesammelt hat, kurz: Eine andere Wirtschaftstheorie d.h. ein anderes Paradigma vertritt.
Soweit so banal.
Spannend ist ja nun die Frage, wie man entscheidet, welche der beiden Theorien der Wahrheit näher kommt, bzw. bislang unbeobachtete Ereignisse besser vorhersagen kann.
Meiner Erfahrung nach nicht, indem man ein Buch liest, dessen Autor behauptet für viele verschiedene Probleme einfache Antworten zu haben. Ich mag mich da irren, dann müssten die Antworten aber schon richtig, heftig gut sein.
Normalerweise würde man, wenn die Antwort auf die Frage einem hinreichen wichtig erscheint, sich jahrelang in wirtschaftswissenschaftliche Literatur vergraben. Das hat den Vorteil, dass man sich einigermaßen fundiert eine Meinung zu der spezifischen Frage bilden kann. Anderseits hat das den Nachteil, dass man die ganzen anderen interssanten Fragen nicht beantworten kann (nur jugendliche Spinner und Studenten - was oft das gleiche ist

- meinen sowohl philosophisch, als auch naturwissenschaftlich, politologisch, historisch, psychologisch, etc. pp. den Durchblick zu haben).
Die Alternative ist, dass man auf die institutionellen Autoritäten vertraut und grob die Plausibilität der Argumente und die Intention des jeweiligen Vertreters (darin sind wir zum Glück angeboren richtig gut) abschätzt. Sprich: Ich vertrauen prinzipiell einem Habilitiertem mehr als einem Promoviertem mehr als einem Studierenden mehr als einem Laien. Ich vertraue mehr einem Buch/ einer These die im wissenschaftlichen Mainstream akzeptiert wird. Ich vertraue mehr einer These, die von einer anerkannten Autorität ernstgenommen wird etc. pp. Natürlich muss ich dann immer heftig nach irgendwelchen potentiellen Interessen fragen, die die Meinungsbildung beeinflussen könnten und kann und soll gerne die Institutionen kritisieren.
Das klingt blöd, besseres gibt es meiner Meinung nach aber nicht.